¡hola!kat

Mein Katalonien: Zwillinge, Mittelmeer und andere Abenteuer

Tag: Tradition

Verschieden Kinderbücher nebeneinander gelegt

Wir lernen sprechen – in drei Sprachen!

Es ist so weit: Meine Töchter lernen ihre ersten Wörter und schnappen jeden Tag etwas neues auf. Und so sehr ich darauf achte, mit den beiden nur deutsch zu sprechen – die beiden Landessprachen sind auf dem Vormarsch. Vor allem der Kindergarten tut sein übriges: Jeden Tag kommen sie mit neuen katalanischen Wörtern nach Hause. So heisst Fisch nicht Fisch und nicht pescado sondern „peix“. Der kommt im Kindergarten häufig auf den Tisch, scheint´s, denn Hühnchen oder Fleisch nennen sie ebenso.

Angeblich sprechen mehrsprachige Kinder erst später. Ob das so ist kann ich allerdings noch nicht nicht einschätzen. Durch das katalanisch-spanisch gibt es hier ja sowieso eine Menge bilingualer Kinder. Im Kindergarten ist mir noch nicht aufgefallen ob einige Kinder besser oder schlechter sprechen. Allerdings wusste unser Nachbarsjunge im Gegensatz zu den beiden schon mit etwas über einem Jahr sehr viele Wörter, da waren die beiden noch bei „Ta-ta“ und „Mama-Papa-Nana“.

Ein Wort für Papa, ein Wort für Mama…

Im Moment lernen sie wirklich jedes Wort in Bezug zu einer Person: Schuhe heißen zum Beispiel auf spanisch „pato!“(zapato), weil es meistens der Papa ist, der mit ihnen morgens die Schuhe anzieht. Von mir haben sie den „Baum“ vom Spazierengehen, den „Tiiiiger“ aus unserem Einschlafbuch und natürlich die „Milch“. Sie haben „genug“, wenn sie satt sind und sagen sehr energisch „No!“ und nur selten „Nei“, wenn sie etwas nicht möchten. Einige Wörter wiederum klingen sehr ähnlich, zum Beispiel „aua“ und „agua“: Meine Schwiegermutter denkt jedesmal, wenn das Essen noch heiß ist („aua!“), sie möchten ein Glas Wasser trinken („agua“). So ein Kuddelmuddel!

Ein paar Wörter sagen sie sogar schon auf mehreren Sprachen: „¡Hola!“ und „Hallo!“, „Adéu“ und „Tschüss“. Außerdem gibt es die deutsche „Oma“ und die spanische „Yaya“, das ist natürlich praktisch. Katzen und Hunde heißen in beiden Sprachen „Miau“ und „Wau wau“.

Verstehen tun sie alle drei Sprachen. Sie wissen, dass die Hand auch „ma“ oder „mano“ heisst, der Kopf auch „cap“ oder „cabeza“ und zeigen ihre Füße her, auch wenn sie „pies“ oder „peus“ genannt werden. Nur für mich beginnt die Herausforderung Dreisprachigkeit jetzt erst recht – hoffentlich klappt das mit dem deutsch lernen auch! Da mache ich mir manchmal Gedanken, ob sie nicht doch auf die deutsche Schule sollten. Dagegen spricht, dass sie dann wiederum so wenig Kontakt mit den Kindern hier vor Ort hätten und wir sie immer mit dem Auto nach Barcelona bringen müssten. Bisher bin ich aber zuversichtlich, das es auch so geht. Es gibt genügend andere deutsche Mütter hier vor Ort und bei den Besuchen in Deutschland oder umgekehrt hören sie ja doch wieder viel deutsch.

Meine Sprache, meine Kultur

Gerade weil ich im Ausland lebe, ist es mir wichtig, den beiden meine Sprache und Kultur näher zu bringen – das wird sicher in den kommenden Jahren noch ein Thema. Ostereiersuche, Sankt Martin, Adventskalender und Weihnachtsmarkt gehören nun mal nicht zum spanischen Kulturgut. Hier gibt es natürlich auch viele für Kinder schöne Feste – aber etwas wehmütig werde ich schon, wenn ich daran denke, dass sie wohl nie im Kindergarten Laternen basteln. Und der Kölner Karneval wird sicher auch keinen großen Stellenwert in ihrem Leben haben. Wirklich schlimm ist das natürlich nicht, aber ich merke: Als Mama möchte ich den Kindern gerne meine eigenen schönen Kinderheitserlebnisse mitgeben – oder besser: Ich selber verbinde mit „Kindheit“ eben diese Feste und Feiern. Und nun habe ich da zwei kleine Spanierinnen, die wahrscheinlich eine hauptsächlich spanisch-katalanische Kindheit haben werden.

Sie lieben die katalanischen Lieder aus dem Kindergarten und wollen immer wieder zur „Castanyera“ tanzen, also lerne ich die Texte auswendig und singe sie ihnen vor. Wenn der Mann und ich miteinander reden und wir die Kinder ins Gespräch einbeziehen, wechseln wir auch nicht immer die Sprache, meistens wiederhole ich aber ein Wort oder einen Satz auf deutsch.

Ansonsten haben wir viele deutsche Kinderbücher und dank YouTube wird es sicher irgendwann mal Sendung mit der Maus oder ähnliches auf deutsch geben. Bisher haben wir noch viele Bücher ohne oder mit nur sehr wenig Text, die sich vor allem über die Bilder vermitteln – da erzählt dann jeder in seiner Sprache etwas dazu. Besonders toll geht das mit „Gute Nacht, Gorilla“, oder Wimmelbüchern. Seit langem beliebt und immer mal wieder aus dem Regal geholt werden „Piep, piep, piep“ und „This is not a book“. Außerdem singen wir uns kreuz und quer durch unsere deutschen Liederbücher (wirklich schön: Das Kinderlieder-Buch aus dem Liederprojekt – die Mädels lieben die Illustrationen!).

Jetzt stehen erstmal zwei Wochen Deutschlandbesuch auf dem Programm, mal sehen welche Worte die beiden dort aufschnappen 🙂

Eine Gruppe von Cagatios, katalanischen Weihnachtswesen

Es weihnachtet sehr

Heute war Nikolaus und ich habe uns Erwachsenen ganz unerwachsen zwei Überraschungseier gekauft, um der Tradition in diesem Haushalt ein bißchen gerecht zu werden. Nach Spanien kommt der Nikolaus nicht, das ist also ein Teil der deutschen Kultur, den ich meinen Mädchen näherbringen möchte. Wie jedes Jahr habe ich eine kleine Krippe und einen kleinen, hm, Weihnachtsstrauß? aufgebaut, als Adventskranz dient eine rote Kerze (ich schaffe es nie, alle vier Kerzen abzubrennen, darum nur eine).

Unter Palmen und bei Sonnenschein kann einem das heimelige Weihnachtsgefühl schnell abhanden kommen, da muss ich mich immer ein bißchen bemühen. Dieses Jahr passt die Stimmung aber ganz gut zur Jahreszeit. Ob das an den Babies liegt? Oder daran, dass es ausnahmsweise winterlich kalt ist?

Weihnachten auf katalanisch

Es gibt hier an der Mittelmeerküste keinen winterlich verschneiten Wald und ein Schneeflöckchen Weißröckchen löst hier ein mittleres bis großes Verkehrschaos aus, habe ich mir sagen lassen. Die Großeltern erinnern sich noch an die Gran Nevada, die „Große Schneierei“ von 1962. Zuletzt schneite es hier 2010 und der Mann brauchte neun stunden von der Uni nach Hause (statt einer).

Entsprechend fühlt sich Weihnachten hier einfach anders an. Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es keinen Glühwein und nichts zu Essen, sondern Krippenfiguren und Weihnachtsdeko. Das finde ich sogar ganz schön, so aufs Wesentliche reduziert. Ich kann mir vorstellen, dass die ersten Weihnachtsmärkte in Deutschland auch so angefangen haben.

Spaziert man über einen katalanischen Weihnachtsmarkt, können einem zwei seltsame Wesen auffallen: Der Caganer und der Tio de Nadal.

Der Caganer ist eine etwas außergewöhnliche Figur (und ein Verkaufsschlager), die ihren Platz in jeder typisch katalanischen Krippe hat. Auf gut deutsch gesagt, hockt der „Scheißer“ etwas abseits der heiligen Familie und kackt in die weihnachtliche Landschaft. Fragt mich nicht, woher der Brauch kommt, der Mann meint dazu: Nun ja, der musste halt vor Aufregung mal, weil das Jesuskind geboren wurde. Irgendwer auf der Welt kackt ja immer gerade, also macht der Caganer die Szene erst glaubwürdig. Auf den Weihnachtsmärkten finden sich Caganers in vielen verschiedenen Ausführungen, darunter Angela Merkel, Leo Messi und Donald Trump, aber mir gefällt er am besten im traditionellen katalanischen Gewand.

Warum die Katalanen Weihnachten mit Kacken verbinden, weiß wohl niemand so genau. Jedenfalls gibt es ein weiteres Zauberwesen, welches das Thema aufgreift und Kinderaugen leuchten lässt: Der Tio de Nadal (Weihnachtsonkel) oder Cagatio (Kackonkel). Dieser Zeitgenosse ist mir sehr ans Herz gewachsen. Es handelt sich hierbei um einen possierlichen Holzscheit (siehe Titelfoto), der in der Vorweihnachtszeit seinen kalten Wald verlässt, um bei uns Menschen zu überwintern. Bei einigen Familien steht er eines Tages vor der Tür, andere entdecken ihn bei einem Waldspaziergang.

Die Kinder füttern ihren Cagatio eifrig mit Mandarinen und Nüssen, bis er am 25. Dezember so satt und glücklich ist, daß er kleine Geschenke kackt. Warum er dazu mit einem Stock gehauen wird, ist mir schleierhaft. Jedenfalls bevölkern um Weihnachten herum zahlreiche Cagatios die Weihnachtsmärkte. Ein baumstammgroßes Exemplar steht neben dem städtischen Weihnachtsbaum und lädt zum Fotos machen ein.

Wer bringt die Geschenke?

In Spanien gibt es die für mich sehr nachvollziehbare Tradition, dass die Geschenke am Dreikönigstag gebracht werden und zwar von den Reyes Magos, den Heiligen Drei Königen. Was mir daran besonders gefällt, ist die rührende Umsetzung dieser Tradition. Ein glaubwürdigere Darstellung könnten weder der Weihnachtsmann noch das Christkind abliefern.

Wochen vor Weihnachten entsenden die Könige ihre Pagen in die Städte, um die Wunschzettel der Kinder entgegenzunehmen. Je näher Weihnachten rückt, desto länger werden die Schlangen vor dem Pavillon, in welchem der Page logiert.

Am fünften Januar kommen die Heiligen Drei Könige in Spanien an. Bei uns im Ort landen sie am Hafen und fahren dann in einem großen Umzug durch die Stadt. Aus märchenhaft dekorierten Wagen werden ähnlich wie beim Karneval Bonbons geworfen (allerdings viel weniger) während am Straßenrand die Kinder vor Aufregung fast vergehen. Einige Kinder halten wie bei Sankt Martin Laternen in der Hand (was es hier leider nicht gibt).

Fast jedes Kind hat seinen Lieblingskönig, der sehnsüchtig erwartet wird. Und da kommt auch schon der erste mit seinem Gefolge. Orientalisch gekleidete Trommler gehen seinem Wagen voraus. Der König sitzt hoch oben auf seinem Thron, umgeben von seinen Dienern. Einige Kinder werden auf den Wagen gehoben, um ihm ihren Wunschzettel persönlich zu überreichen. Übrigens: Schlimmerweise war der afrikanische König Balthasar lange Zeit ein schwarz angemalter Weißer, mittlerweile werden er und sein Gefolge von der afrikanischen Gemeinde dargestellt.

Nachts, wenn die Kinder schlafen, senden die Könige ihre Helfer aus. Am Morgen des sechsten Januar gibt es dann endlich Bescherung. Wer nicht brav war, bekommt einen Sack voller Kohlen. Die „Kohlen“ sind schwarz gefärbte Zuckerklumpen in kleinen Jutebeuteln – manchmal bringe ich aus Quatsch welche nach Deutschland mit, probiert habe ich sie allerdings noch nie.

Für die Spanier zieht sich die Weihnachtszeit also bis zum sechsten Januar – ganz schön lang! Für uns als binationale Familie ist das ziemlich praktisch: So können wir Heiligabend ruhigen Gewissens in Deutschland verbringen und am Dreikönigstag bei der spanischen Familie feiern. Finde ich zumindest, für den Mann wird es dieses Jahr das erste Weihnachten in Deutschland. Er fremdschämt sich schon, weil ich ihm gesagt habe, dass wir bestimmt Feliz Navidad singen werden 😀

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