Leben in Spanien

Über das Leben in Spanien, Land und Leute

Leben in Spanien

Vamos al pueblo

“Wo fährst Du diesen Sommer hin?”, fragt man sich, wenn die Hitze zu schwer wird und die großen Ferien beginnen. “Vamos al pueblo”, antworten wir und schon wissen alle Bescheid. El pueblo, das bedeutet vielen Menschen eine zweite Heimat. Hier kommen sie “eigentlich” her, hier haben ihre Familien mehrere Generationen lang gelebt, bevor ihre Eltern und Großeltern in den 60er Jahren in die Städte zogen. Die Enkel tragen das Dorf weiterhin im Herzen, in Erinnerung an endlos lange Sommerferien mit den Großeltern, in denen sie mit ihren Freunden den ganzen Tag durchs Dorf stromerten und in alten Ziegenställen Hütten bauten.

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Fettnäpfe

Spain is different hieß es in den sechziger Jahren auf Werbeanzeigen für Spanien. “So ein Quatsch”, meinte meine Mutter, als ich gerade frisch nach Spanien gezogen war und ihr erzählte: “Mama, hier ist alles ganz anders, ich kenne mich garnicht mehr aus”. “Wir sind alle Europäer, und alle Menschen sind gleich.” Natürlich hatte sie Recht. Spanien gehört zu Europa und alle Menschen leben, lieben, essen, trinken, fühlen und müssen aufs Klo. Aber sie hat auch unrecht, denn seit ich hier lebe, bin ich die Deutsche, bin ich Ausländerin in einem mir fremden Land. Im ersten Jahr hier fiel mir das

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Wo die reichen Leute wohnen

Vor einiger Zeit hatten wir uns entschlossen, in die leerstehende Wohnung meiner Schwiegeroma zu ziehen. Eine Mischung aus Geldersparnis und Familiennähe hat uns schließlich dazu bewogen, unser Viertel zu verlassen und den Umzug mit Kind und Kegel in eine neue Umgebung zu wagen. Wenn wir vorher hier zu Besuch waren und die Leute fragten, “Wo wohnt ihr?”, hieß es auf unsere Antwort immer: “Ach, bei den Reichen.” Bei den Reichen, das war im Zentrum, in Strandnähe, wo zwischen den 60er-Jahre Häuserblöcken immer noch ganze Straßenzüge aus den kleinen kastigen Einfamilienhäuschen gebaut sind, die für Spanien (oder Katalonien?) so typisch sind.

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Vereinbarkeitsbrei

Es gibt Tage, an denen es mich einfach erwischt. Tage, an denen alles super gelaufen ist, auch wenn der Mann mal länger arbeiten musste. Wir waren draußen (die Babies und ich), wir hatten Spaß (die Babies und ich) und es gab Essen zu den richtigen Essenszeiten (vor allem für die Babies). Tage, an denen alles gepasst hat und ich ein bißchen stolz auf mich war, den Zwillingsalltag so gut zu meistern. Dann liegen die Babies friedlich schlafend im Bett, das Wohnzimmer sieht nicht mehr nach Kindergarten aus, der Mann und ich genießen beim Abendessen die ersten ruhigen Minuten und wusch!

Leben in Spanien, Rückblick

Mein Wochenbett in Spanien

Ungeachtet der schwierigen Geburt und meines Ruhebedürfnisses hatten wir in den ersten Wochen immer wieder Besucher bei uns. Auch wenn mein Schamgefühl schon im Krankenhaus weit unter meine eigentliche Schmerzgrenze gerutscht war, so richtig gelegen kam mir der Besuch fast nie. Irgendwie hatte ich mir das Wochenbett so gemütlich vorgestellt, man wird umsorgt und behütet, aber weitestgehend mit seinen Babies in Ruhe gelassen. Ich hatte ein heimeliges Bild im Kopf, wo alle um einen herumhuschen und man ansonsten ausgiebig mit seinen Babies kuschelt und vor allem viel schläft. Als soziales Völkchen, dass die Spanier nunmal sind, scheinen diese eine vollkommen

Leben in Spanien

Essen essen

Es gibt Tage, da fehlen mir die Deutschtürken im Straßenbild, überhaupt der ganze Mulitkulti-Mischmasch, und dazu gehören sinnbildlich ein wirklich leckerer Döner, Spaghetti-Eis und Baklava. Liebe geht durch den Magen, sagt man. Und ich bin mir sicher: Gemeinsames Essen trägt zur Völkerverständigung bei! Hier wird hauptsächlich spanisch-katalanisch gegessen, es gibt trotz der vielen arabischen, afrikanischen, chinesischen oder indisch/pakistanischen Einwanderer wenig Restaurants oder Imbisse mit deren Landesküche. In Barcelona selbst ist die Essensvielfalt natürlich größer, aber außerhalb gibt es wenig “ausländische” Restaurants. Während in Deutschland fast jeder einen “Lieblings-Italiener” hat, bleibt es hier traditionell. Das war für mich als Neuankömmling erstmal

Leben in Spanien, Zwillinge

Tagebuch: Morgen Kinder, wird´s was geben…

Heute war so ein Nachdenke-Tag. Weihnachten nähert sich mit Riesenschritten, es steht im wahrsten Sinne vor der Tür und die Woche ist viel zu schnell vergangen, wie immer. Vor ein paar Tagen haben wir einen neuen kleinen Menschen in unserer Familie willkommen geheißen. Und zack, da war sie, die Nachdenklichkeit. Was mir heute alles durch den Kopf geschwirrt ist! Erstens habe ich daran gedacht, dass ich mir früher immer ausgemalt habe, wie meine Kinder und die meiner besten Freundin und Cousinen genau wie wir als Nachbarskinderbande die Gegend unsicher machen. Jetzt sind wir alle in anderen Städten und Ländern und

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Es weihnachtet sehr

Heute war Nikolaus und ich habe uns Erwachsenen ganz unerwachsen zwei Überraschungseier gekauft, um der Tradition in diesem Haushalt ein bißchen gerecht zu werden. Nach Spanien kommt der Nikolaus nicht, das ist also ein Teil der deutschen Kultur, den ich meinen Mädchen näherbringen möchte. Wie jedes Jahr habe ich eine kleine Krippe und einen kleinen, hm, Weihnachtsstrauß? aufgebaut, als Adventskranz dient eine rote Kerze (ich schaffe es nie, alle vier Kerzen abzubrennen, darum nur eine). Unter Palmen und bei Sonnenschein kann einem das heimelige Weihnachtsgefühl schnell abhanden kommen, da muss ich mich immer ein bißchen bemühen. Dieses Jahr passt die

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Kinder, Kinder!

Ohne allzusehr verallgemeinern zu wollen: Die Menschen hier sind sehr kinderfreundlich. Schon in der Schwangerschaft gab es allerorts Anteilnahme, jetzt sind die Babies da und wir kommen uns manchmal vor wie eine Jahrmarktsattraktion. Es braucht keinen Mäusezirkus oder Schellenäffchen, es reicht der Doppelkinderwagen! Das kam nicht überraschend, davon haben schon mehrere Zwillingseltern berichtet. Und ich denke, dass auch in Deutschland der Gesprächsbedarf netter älterer Damen beim Anblick eines Zwillingskinderwagens deutlich steigt. Mittlerweile habe ich schon trilliardenmal das gleiche Gespräch geführt (“Oh, Zwillinge! – Ja – Eineiig oder zweieiig? – Zweieiig – Die sehen sich aber nicht ähnlich – Nein –

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Leben, wo andere Urlaub machen

“Leben, wo andere Urlaub machen! Das wollte ich auch immer!” höre ich öfter auf meinen Heimatbesuchen. Ja, und warum hast Du es nicht gemacht? Weil wirklich auszuwandern, auf Zeit oder für immer, eben gar nicht so einfach ist… Hätte mir das mal jemand vorher gesagt! Oder vielleicht besser nicht? Leben, wo andere Urlaub machen, ist alles mögliche, aber kein Urlaub. Du hast keine Pause vom Alltag, sondern bist mittendrin. Du kannst dich nicht mit deiner besten Freundin auf einen Kaffee treffen, sondern ihr erwischt euch mit viel Glück am Telefon. Du schaffst es nicht jeden Tag ans Meer, wie du

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