¡hola!kat

Mein Katalonien: Zwillinge, Mittelmeer und andere Abenteuer

Tschüss, Erwachsenenwelt!

Früher dachte ich großspurig: Also, ich werde sicher nicht zu den Eltern gehören, die spurlos verschwinden, sobald die Babies da sind. Na-ha-ha-hain, ich werde auch mit Babies Teil des Erwachsenenkosmos bleiben. Heute freue ich mich über Babies, die pünktlich im Bett sind – und meistens bleibe ich gleich daneben liegen. Wer hätte gedacht, dass es so verdammt schwierig ist, Kinder in den Alltag zu integrieren – oder eher, den Alltag mit Kindern irgendwie hinzubekommen.

Sobald die Babies da waren (und eigentlich schon in den letzten Schwangerschaftswochen) verließ ich die Erwachsenenwelt und trat ein ins Mama-Rentner-Hundeherrchen-Universum. Während ich die freie Zeit in den letzten Schwangerschaftswochen sehr genoss und voller Vorfreude auf die Babies war, hatte ich doch nicht damit gerechnet, als Mama mit zwei Babies so viel alleine zu sein. Auf einmal hockte ich den ganzen Tag mit den beiden zu Hause und zählte die Stunden, bis der Mann von der Arbeit kam. Nie waren die Tage zäher, dabei flogen die Wochen nur so dahin. Ab und an schielte ich neidisch auf die Einlingsmamis, die mit ihrem Tragebaby mal flugs aus dem Haus waren, während ich noch den Doppelkinderwagen die Treppe hinunterwuchtete.

Unser Leben als Höhlentierchen

Die ersten Wochen mit den Babies sind wir also, wie alle Eltern wahrscheinlich, erstmal untergetaucht. Der Mix aus Schlafmangel, Glückshormonen und Adrenalin hätten alle ernstzunehmenden Gespräche sowieso unmöglich gemacht. Jegliche Aufmerksamkeit wurde von unseren zwei neuen Mitbewohnerinnen absorbiert. Wie alle Säugetiere habe ich mich in dieser Zeit vor allem mit den Babies zu Hause eingemummelt und meine schützende Höhle eher selten verlassen. Der Mann streifte bisweilen auf der Jagd nach Essen durch die Straßen und lungerte übermüdet in Ämtern herum.

Als wir wieder zurechnungsfähig waren, haben wir uns dann mehr und mehr vor die Tür gewagt und zahlreiche sommerlich laue Nachmittage im Café zwei Straßen weiter verbracht. Weiter trauten wir uns am Anfang irgendwie nicht. Die schützende Höhle war im Zweifel durchdringenden Doppelgeschreis in drei Minuten Laufschritt zu erreichen, außerdem gab es dort andere Eltern. Die waren schon richtige Profis und nahmen mir meine anfängliche Still-Schüchternheit. Dank der anderen Stillmamis habe ich mich gleich viel wohler gefühlt. Gegen sieben Uhr abends klatschten wir mit den eintreffenden kinderlosen Freunden kurz ab und gingen nach Hause. Schön war das.

Danach gab es eine Phase, in der wir abends ziemlich oft draußen essen gingen, die Sommernächte waren so warm und die Babies hatten sowieso noch keinen richtigen Schlafrhythmus. So gab es wenigstens ab und zu etwas leckeres zu essen. Unsere Kochkünste haben ja, seit die Babies da sind, rapide abgenommen (es wird aber wieder besser).

Tja, und dann kam dieser ominöse Rhythmus und hat uns Abends nach Hause verbannt. Interaktionen mit anderen erwachsenen Menschen haben sich also weitestgehend auf tagsüber verlagert. Diese beschränkten sich für mich lange Zeit auf ein munteres Zunicken mit anderen Zwillingseltern und Zwillingsphrasendreschen mit „netten älteren Damen“ beim Spaziergang. Darum freue ich mich auf den Sommer, weil sich dann alles Leben wieder nach draußen verlagert und man sämtliche Freunde und Bekannte in den Bars und Cafés oder am Strand trifft, mit oder ohne Kinder.

Zeit für mich

Die Male, die ich während der Baby-Auszeit ohne Babies unterwegs war, kann ich an einer Hand abzählen: Einer Freundin am Computer geholfen, beim Supermarkt, beim Friseur, einmal sommerschön machen bei der Kosmetikerin und einmal duschen, ohne das jemand im Haus war. Jetzt sind die zwei nachmittags im Kindergarten und ich habe die ersten Tage wirklich genossen. Während der Eingewöhnung haben wir uns mit dem Laptop ins Café nebenan gesetzt und das erste Mal in Ruhe einen Kaffee getrunken, zu Mittag gegessen und uns dann auf die Babies gefreut.

Und damit ist diese besondere, ausschließliche Babyzeit auch schon wieder vorbei. Habe ich die Zeit genossen? Ja! Bin ich ein bißchen wehmütig? Ja! Gefühlt habe ich die beiden vorgestern geboren, gestern haben sie sich das erste Mal auf den Bauch gedreht und heute können sie schon fast laufen! Bin ich froh über meine wiedergewonnene Zeit für mich? Auch! Und ich genieße umso mehr die Momente, die ich mit den beiden zusammen bin ♥

Zehn Gebote aus zehn Monaten Zwillingsmama-Dasein

1. Du sollst nicht duschen!

Und wenn, dann kannst Du froh sein, wenn du die Spülung ansatzweise wieder aus den Haaren waschen konntest. Kämmen is jedenfalls nicht mehr, schließlich musst Du zwei Babies mit akuter Mamitis betüdeln.

2. Du sollst neben uns keine anderen Interessen haben

Das ist einfach, weil deine Aufmerksamkeitsspanne vor lauter Hormonen und Stilldemenz sowieso nicht mehr für wirkliche Gespräche oder andere anspruchsvolle Tätigkeiten reicht. Die ständige Müdigkeit tut ihr übriges dazu. Instinkt, übernehmen sie!

3. Gedenke des Schlafes: Halte ihn heilig

Vor allem deinen. Dann den deiner Babies. Der Mann schläft sowieso durch, auch wenn ein schreiender Winzling neben ihm liegt.

4. Fünf Tage wirst Du alleine mit den Babies deine Arbeit tun.

Dann kommen zwei wunderbare Tage, an denen der Mann da ist und alles wird etwas fluffiger. Vor allem kannst Du in Ruhe duschen.

5. Ehre deine Eltern, deine Schwiegereltern, Verwandte, Freunde und Bekannte.

Denn sie bringen sie Dir Essen, Geschenke, helfen beim Wäsche waschen und bestaunen Deine Babies. Längeren Besuch kann man gut für eine Dusche nutzen (mit Spülung UND eincremen!).

6. Du sollst nicht begehren deines nächsten Eis.

Hol dir selber eins. Oder nach was auch immer Dein Stillhunger verlangt. Nie wieder konnte ich so viel essen und dabei abnehmen. Nach zehn Monaten wurden die (saubequemen) Schwangerschaftshosen wieder gegen meine „normalen“ Jeans ausgetauscht.

7. Du sollst deinem Mann hin und wieder ein Lächeln schenken.

Es bricht mir immer noch das Herz, wenn ich daran denke, wie mein Mann mich einmal glücklich anlachte, weil er dachte ER sei gemeint als ich liebevoll in seine Richtung schielte. Er hatte ein Baby auf dem Arm.

8. Sei lieb zu deinem Mann ( nur lächeln reicht nicht).

Er bringt Dir jeden morgen ein Croissant zum Frühstück, hat sich die ersten vier Wochen aufopferungsvoll um dich und zwei Babies gekümmert, bringt den Müll raus, räumt das alltägliche Chaos auf und kocht Dir leckere Tiefkühlpizza. Und selbst wenn er noch so toll mit einem Baby spielt, ist Mama zur Stelle, wird er gnadenlos ignoriert.

9. Du sollst dich an falsche Empfehlungen, dumme Sprüche und nervige Kommentare gewöhnen.

Du wirst sie alle hören, mehrmals: Von „Oh, Zwillinge!“ über „Schlafen sie schon durch?“ bis hin zu „wenn Du sie immer gleich auf den Arm nimmst, gewöhnt sie sich noch dran!“ oder „lass sie im Kinderwagen ruhig mal schreien, sonst nutzen sie das aus und wollen immer gleich wieder raus“ oder oder oder oder oder *augenverdreh

10. Du sollst nicht nach dem verlangen, was Du nicht hast. Sondern genießen, was Du bist.

Eine Zwillingsmama, die das Privileg hat, zwei kleine Wesen gleichzeitig aufwachsen zu sehen. Manchmal denkt man, „jupp, nur ein Baby zu haben muss ja extrem entspannend sein“, vor allem wenn gerade eines schläft. Mütter von Einzelbabies haben mir aber glaubhaft versichert, dass es auch nicht viel flauschiger zugeht als bei uns. Und die bekommen kein doppeltes Lächeln zurück! <3

Vereinbarkeitsbrei

Es gibt Tage, an denen es mich einfach erwischt. Tage, an denen alles super gelaufen ist, auch wenn der Mann mal länger arbeiten musste. Wir waren draußen (die Babies und ich), wir hatten Spaß (die Babies und ich) und es gab Essen zu den richtigen Essenszeiten (vor allem für die Babies). Tage, an denen alles gepasst hat und ich ein bißchen stolz auf mich war, den Zwillingsalltag so gut zu meistern.

Dann liegen die Babies friedlich schlafend im Bett, das Wohnzimmer sieht nicht mehr nach Kindergarten aus, der Mann und ich genießen beim Abendessen die ersten ruhigen Minuten und wusch! öffnen sich die Schleusen und ich sitze schniefend am Tisch und finde alles doof.

Naja, alles nicht. Aber die Unvereinbarkeit von Berufsleben, Alltag, Familie und Ich-Sein. Das hätte ich gerne alles gleichzeitig. Überraschenderweise bin ich durch das Mama-Sein nicht zu einer Frau mutiert, deren Lebensglück einzig und allein in der Aufzucht ihrer Kinder liegt. Auch wenn mich die Zeit, die ich mit den Babies verbringe, ausgesprochen glücklich macht. Trotzdem mag ich meinen Beruf, würde gerne mal ein paar Freunde treffen und träume von echter Arbeitsteilung. Und davon, dass Kinder in den Berufsalltag aller Beteiligten integriert werden können.

Die letzten Monate hat der Mann Vollzeit gearbeitet (bis auf die ersten fünf Wochen nach der Geburt), während ich Vollzeit mit den Babies zu blieb. Weil ich Stillen wollte, hielten wir das für eine gute Idee. Und solange ich noch voll gestillt habe, war es das auch. Mit zehn Monaten schaffen es die Babies es aber auch mal eine Weile ohne mich und ein kleiner Ausflug in die Erwachsenenwelt ab und an wäre schon fein…

Arbeiten? Ja, gerne!

Vor der Babyzeit hätte ich nie gedacht, dass mir meine Arbeit fehlen würde. Ein Jahr Auszeit wollte ich bitte haben und mich ganz bewusst meinen Babies widmen. So wie in Deutschland. Das habe ich auch gemacht und sehr genossen. Jetzt denke ich, ab und zu ein kleiner Ausflug in die Arbeitswelt hätte mir sicher nicht geschadet (und unserem Geldbeutel auch nicht). Wie auch immer, zwischen allgemeiner Müdigkeit, Baby-Spaß und Wochenende-Aktionen hat es dazu nicht gereicht. Auch, weil es mir nie darum ging, die Kinder irgendwie wegzuorganisieren, um vorm Rechner hocken zu können.

Als Ganztags-Babybeauftragte erscheint mir jedoch der Gedanke, einfach so aus dem Haus zu gehen und nicht ständig von zwei Augenpaaren beobachtet zu werden, manchmal geradezu himmlisch. Dann bin ich neidisch auf des Mannes Arbeitszeiten: Alleine! Nein, mit Kollegen in einem Büro vorm Computer zu sitzen und Stunden (!) konzentriert (!!) zu arbeiten, ein Traum… Natürlich weiß ich, dass das so überhaupt nicht stimmt und die Bilder in meinem Kopf höchstens drittklassige Arbeitswelt-Stockfotos sind.

In meinen Tagträumen arbeiten der Mann und ich Teilzeit und unser Leben ist gleichwertig zwischen Arbeit, Babies und Erwachsenenalltag aufgeteilt. Ja, haha, ich weiß, das ist utopisch. Gerade hier in Spanien, wo der Mutterschutz so kurz ist und Väter erst seit 2017 einen ganzen Monat zur Geburt freibekommen. Da kann ich froh sein, dass ich die Babies nicht mit vier Monaten abstillen und in die Kinderkrippe geben musste.

Mama einsam

Eine so lange Babyzeit zu haben, sehe ich durchaus als Privileg. Fast alle anderen Mütter, die ich hier vor Ort kenne, haben spätestens nach einem halben Jahr ihre Babies bei den Großeltern gelassen oder in die Krippe gegeben.

Wenn ich den Kinderwagen samt Babies aus dem Haus habe, treffe ich auf meinen Spaziergängen an der Strandpromenade entweder joggende Mütter mit Babies unter drei Monaten, kinderwagenschiebende Großeltern oder Rentner mit und ohne Hund. Ähnliches spielt sich in den leeren Supermärkten ab. Der Kontakt zu anderen Erwachsenen ist entsprechend selten.

Zum Glück gibt es „das Internet“, wo ich auf diversen Blogs herumlesen kann und sehe, dass ich nicht alleine mit meinen Gedanken bin. Schön, dass es so viele Frauen gibt, denen es ähnlich geht, die schreiben, die twittern, die für einen da sind. Irgendwie seltsam aber auch, dass wir alle da so einzeln in unseren Wohnungen sitzen und vor uns hin schreiben.

Richtig getroffen hat mich die Mama-Einsamkeit das erste Mal nach drei Monaten, als die Babies so wahnsinnig abhängig von mir waren. Da hängt man da und kommt zu nichts, schafft es kaum zu duschen und ist quasi am dauerstillen oder so doof mit den eingeschlafenen Babies verwurschtelt, dass man da nicht wieder raus kommt ohne mindestens ein Baby zu wecken. Da dachte ich immer: Wie zur Hölle haben die das früher gemacht? Schon geistert einem der afrikanische-Dorf-Spruch durch den Kopf. Oder die steinzeitlichen vier Stunden „Arbeitszeit“, die angeblich reichen sollen, um genug Wild zu erlegen und Beeren zu sammeln. Da konnte man ja sogar noch in Ruhe Höhlenwände bemalen UND sich um die Babies kümmern!

Seit wann gibt es diese Aufteilung, seit wann wird Familie so gelebt wie heute? Unsere Lebensweise gibt es ja noch garnicht so lange. In Städten, Dörfern, auf Bauernhöfen? Wer hat sich da alles um Kinder gekümmert? Da gab es ja sicher auch Standesunterschiede. Wie haben sich Familien früher organisiert? Sollte ich irgendwann mal wieder Langeweile haben, werde ich das mal recherchieren. Bis dahin denke ich mir eine Mischung aus Großfamilie, Bullerbü und Stammesleben. So in etwa wird´s wohl gewesen sein.

Oder ich stelle mir vor, eine rotbackige Bäuerin auf Lönnerberga zu sein. Meine Kinder würden den ganzen Tag barfuss dem Knecht Wie-hieß-der-noch? hinterherrennen. Wenn sie dann endlich rennen können. Zugegebenermaßen müsste ich als Bäuerin ziemlich früh aufstehen, aber immerhin hat Michels Mama auf Lönnerberga jeden Abend Zeit, seine Streiche aufzuschreiben, also wird das schon passen (so gesehen hat sie ja quasi den Mama-Blog erfunden).

Jetzt ist meine Babyzeit bald vorbei, und ich werde langsam aber sicher wieder am Erwachsenenleben teilnehmen können. Darauf freue ich mich: Mit erwachsenen Menschen zu sprechen, in Ruhe vorm Computer zu sitzen und Pixel hin und her zu schieben. Und meine Babies machen ihre ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit – die Zeit, die Zeit, wie sie vergeht!

Es wäre so schön, wenn man das mit der Arbeit und den Kindern und dem Leben irgendwie unter einen Hut bekäme. Dann würde ich die Babies mit ins Büro nehmen, wo es eine Spielwiese gäbe und jeder würde sich mal ein paar Minuten mit ihnen beschäftigen. Vielleicht wäre das ja auch eine gute Methode zur Entschleunigung? Niemand müsste seine Kinder abgeben, damit er acht Stunden vorm Rechner sitzen kann, sondern alle kümmern sich gemeinsam um sie.

Und, wovon träumt ihr so?

Mein Wochenbett in Spanien

Ungeachtet der schwierigen Geburt und meines Ruhebedürfnisses hatten wir in den ersten Wochen immer wieder Besucher bei uns. Auch wenn mein Schamgefühl schon im Krankenhaus weit unter meine eigentliche Schmerzgrenze gerutscht war, so richtig gelegen kam mir der Besuch fast nie. Irgendwie hatte ich mir das Wochenbett so gemütlich vorgestellt, man wird umsorgt und behütet, aber weitestgehend mit seinen Babies in Ruhe gelassen. Ich hatte ein heimeliges Bild im Kopf, wo alle um einen herumhuschen und man ansonsten ausgiebig mit seinen Babies kuschelt und vor allem viel schläft.

Als soziales Völkchen, dass die Spanier nunmal sind, scheinen diese eine vollkommen andere Idee davon zu haben. Zur engeren Verwandtschaft zählen hier jedenfalls nicht nur direkte Onkel und Tanten, sondern auch Cousins zweiten oder dritten Grades oder gute Freunde meiner Schwiegereltern. Alle fühlen sich verpflichtet, vorbeizukommen. Sogar die Eltern, die Schwester und der Cousin meines angeheirateten Schwagers kamen vorbei, um die Babies zu bestaunen.

Manchmal habe ich versucht, im Kopf den Verwandtschaftsgrad auf meine deutsche Familie zu übersetzen und festgestellt, dass ich niemanden davon kenne – geschweige denn, dass diejenigen sich verpflichtet fühlen würden, vorbeizukommen und dazu noch ein Geschenk dazulassen. Die Tochter des Cousins meines Vaters? Kenne ich nicht. Von meiner Schwester deren Freund dessen Eltern? Die kämen sicher nicht spontan vorbei.

Manchmal kam es mir absurd vor, hier ist es anscheinend vollkommen normal. Zumindest bei meiner andalusisch-aragonesisch-katalanischen Schwiegerfamilie. Man verfällt ja schnell dazu, zu verallgemeinern: Sind die alle hier so, oder ist das eine spezifische Eigenart meiner spanischen Anverwandten? Vom Hörensagen weiß ich, dass nicht alle Familien hier so …familiär? sind. Andererseits sehe ich bei unseren Freunden und Bekannten viel mehr Kontakt innerhalb der Familien, als es bei uns in Deutschland (oder ist das auch wieder nur in meiner Familie so?) üblich ist.

Jedenfalls kamen diese und jene Menschen bei uns vorbei und schenkten und schauten. Für mich war es anstrengend, aber ich will auch nicht undankbar sein. Schließlich ist es ja auch schön, dass so viel Anteil genommen wird und die Geschenke wurden vorher oft mit uns abgesprochen. Oder wir bekamen direkt Geld geschenkt. Alles, was wir bekommen haben, konnten wir gebrauchen und benutzen, das war schön.

Das sind wohl die zwei Seiten der Medaille – einerseits denke ich oft, in Deutschland geht uns einiges verloren damit, dass Familie häufig nur bedeutet: Vater-Mutter-Kind, dazu vielleicht noch Großeltern und Tanten. Andererseits war ich auf den Besucherandrang doch nicht gefasst. Dabei hatte ich schon in der Schwangerschaft eine Vorahnung und trichterte dem Mann ein: Wenn jemand vorbeikommen will und das in dem Moment nicht möchte, musst du hart sein und absagen.

An Tag eins nach Entlassung aus dem Krankenhaus besuchten uns (gleichzeitig):
zwei Omas,
ein Opa,
eine Tante,
ein Onkel,
eine Großtante,
eine Uroma,
und eine Urgroßtante der Babies.

Danach war ich so platt, dass der Mann die liebe Freundin, die kurz reinkommen wollte, wegschicken musste, weil ich sonst in Tränen ausgebrochen wäre. Dabei hätte ich gerade sie gerne gesehen. Nur halt nicht direkt nachdem acht Menschen bei uns waren, die alle gleichzeitig redeten und lachten und mir beim Stillen zuguckten.

Von Freunden in Deutschland habe ich gehört, dass der ein oder andere beleidigt war, weil er nicht eingelassen wurde oder die einfache Bitte um Ruhe auf Unverständnis stieß. Mir scheint es manchmal, als wäre die Mutter plötzlich nebensächlich, sobald sie ein Kind im Bauch hat, und erst recht wenn das oder die Kinder da sind. Dabei weiß niemand, wie die letzten Wochen der Schwangerschaft waren, wie die Geburt war (in meinem Fall waren allerdings alle bestens unterrichtet) und ich wünschte, es würde einfach akzeptiert, dass man gerade am Anfang vielleicht einfach ein bißchen unter sich sein möchte und sich als Familie beschnuppern will.

Nach ein paar Wochen war der Spuk vorbei. Es wurde Sommer und die erste Hitzewelle trieb uns abends aus dem Haus. Endlich konnte ich mich wieder halbwegs schmerzfrei bewegen. Unser Ausflugsradius blieb anfangs recht klein; einerseits waren wir noch blutige Anfänger als Zwillingseltern und trauten uns nicht weit weg, andererseits gab es da dieses nette kleine Café um die Ecke. Dort gab es das stadtbeste Eis, Pizzastücke und Horchata – alles was ich als stillende Zwillingsmama begehrte. Einen Großteil des Sommers verbrachten wir so, bis im August die Bürgersteige hochgeklappt wurden und alle Welt in Urlaub fuhr. Doch das ist eine andere Geschichte.

Essen essen

Es gibt Tage, da fehlen mir die Deutschtürken im Straßenbild, überhaupt der ganze Mulitkulti-Mischmasch, und dazu gehören sinnbildlich ein wirklich leckerer Döner, Spaghetti-Eis und Baklava. Liebe geht durch den Magen, sagt man. Und ich bin mir sicher: Gemeinsames Essen trägt zur Völkerverständigung bei!

Hier wird hauptsächlich spanisch-katalanisch gegessen, es gibt trotz der vielen arabischen, afrikanischen, chinesischen oder indisch/pakistanischen Einwanderer wenig Restaurants oder Imbisse mit deren Landesküche. In Barcelona selbst ist die Essensvielfalt natürlich größer, aber außerhalb gibt es wenig „ausländische“ Restaurants.

Während in Deutschland fast jeder einen „Lieblings-Italiener“ hat, bleibt es hier traditionell. Das war für mich als Neuankömmling erstmal in Ordnung so, es gab genug Neues zu entdecken. Mittlerweile freue ich mich über den ein oder anderen kulinarischen Abstecher.

Das kommt euch spanisch vor

Wenn wir Besuch bekommen, möchten natürlich alle gerne „spanisch“ essen, was für viele gleichbedeutend mit Tapas und Paella ist. Meistens gehen wir also Tapas essen, weil Paella mit den Meeresfrüchten dann doch nicht jedem schmeckt.

Also Tapas essen. Dazu geht man am besten nicht ins Restaurant, sondern in eine Tapas-Bar, wo sie zum Bier gereicht werden. Man zieht von Bar zu Bar und isst die Tapas dort im Stehen direkt an der Theke. So richtig schön kann man das vor allem in Andalusien oder im Baskenland machen. Beide Regionen sind bekannt dafür und ich konnte mich in Sevilla und San Sebastián/Donostia selbst davon überzeugen.

Bei uns im Ort gibt es natürlich auch Tapas-Bars und Restaurants. Die Auswahl ist groß, unsere deutschen Besucher essen jedoch am liebsten Patatas Bravas und Pimientos de Padrón. Das wird als Gastgeber auf Dauer etwas langweilig, aber ich muss zugeben: Am Anfang habe ich mich auch fast ausschließlich davon ernährt.

Wir gehen mittlerweile ziemlich selten Tapas essen, fast nur noch mit Besuch. Ein paar Bravas sind aber immer drin und werden oft für alle gemeinsam zu einem frühabendlichen Bier bestellt. Wenn der Abend nett ist und keiner Lust hat, nach Hause zu gehen, wird daraus auch mal ein Abendessen mit noch mehr Tapas, bis alle satt sind.

Zur Paella sei so viel gesagt: Ich bin kein großer Fan von Meeresfrüchten und die sind da nun mal drin. Im Restaurant kann man sie oft erst ab zwei Personen bestellen, deswegen erbarme ich mich ab und zu meinem Mann zuliebe. Wie sich das für einen Spanier gehört, ist Paella sein Lieblingsessen. Ein paar Klischees müssen ja auch erfüllt werden 🙂

Bei uns schmeckt´s am besten!

Besonders am Anfang wurde ich oft gefragt, wie ich denn das Essen hier finde und ob es mir schmeckt. Meistens schon mit einem freudig-erwartungsvollen Unterton, weil, hier ist das Essen einfach am besten! Aus Höflichkeit hatte ich mir schon zu Beginn ein entsprechend überzeugendes „Ja, super!“ angewöhnt, dass leider im Verlauf eines längeren Gespräches an Glaubwürdigkeit verlor, denn: Ich mag keine Meeresfrüchte. Und Fisch auch nicht so gerne. Na gut, ich esse beides, wenn ich muss. Aber ich würde es mir nie bestellen. Da ein Großteil des Essens hier aus Fisch und Meeresfrüchten besteht, ging meinem Gegenüber dann immer irgendwann auf, dass ich seine Begeisterung für die heimische Küche nicht unbedingt teile.

Verhungert bin ich hier trotzdem nicht, erstens habe ich etwas an meiner Abneigung gegen allerlei Meergetier gearbeitet und zweitens gibt es auch so noch genug Leckereien. Vieles kannte ich nicht, bevor ich hierher gezogen bin oder habe es erst hier lieben gelernt (siehe Paella, obwohl ich da vom Lieben noch weit entfernt bin). Einige Gerichte sind dagegen garnicht so anders als „zu Hause“: Der Linseneintopf wird mit zwar mit Chorizo statt mit Mettwurst gemacht, aber hey, irgendwie ist es doch das gleiche.

Was ich an deutschem Essen vermisse? Im Frühjahr fehlt mir die Spargelzeit, weißen Spargel bekommt hier fast nur eingemacht im Glas. Im Sommer sind es Pellkartoffeln mit Kräuterquark – in den hiesigen Supermärkten ist Quark äußerst selten aufzutreiben. Außerdem sind Brombeeren hier Mangelware und genauso teuer wie ein Schälchen Himbeeren. Herbst und Winter überstehe ich dagegen gut, was sicher am weihnachtlichen Deutschlandbesuch liegt, da gibt es ja sowieso immer von allem zu viel. Viele Kleinigkeiten bringen mir außerdem Besucher mit, zugegebenermaßen ist das meistens Lakritze.

In dem Sinne: ¡Que approveche! und Bon Profit!

Und, wie ist es so mit Zwillingen?

Wenn ich das letzte Jahr Revue passieren lasse, fällt mir auf: Das hört sich  unglaublich anstrengend an! Und ja, das war es auch. Vor allem aber ist es ein ganz besonderes Geschenk, zwei Menschen beim Wachsen zusehen zu dürfen. Soviel vorweg.

Als ausgeprägter Morgenmuffel und spontaner Mensch konnte ich mir während der Schwangerschaft kaum vorstellen, dass ich im Babyalltag nichts so sehr begrüßen würde wie einen festen Tagesrhythmus. Der hat sich in den letzten drei Monaten  herauskristallisiert und verschafft mir mehrmals täglich kleine Verschnaufpausen. Den Rhythmus haben sich Babies übrigens selbst ausgesucht – die Idee, „einfach“ mit den Babies unseren bisherigen Alltag fortzuführen, hat sich schon mit Einsetzen der Wehen klammheimlich davongemacht.

Und sonst? Nun jut, man kommt zu nix. Okay, fast nix. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke. Duschen oder Schlafen oder Schreiben oder Kochen oder Rausgehen oder nach Hause telefonieren oder Wäsche waschen, falten, wegräumen… Was auch immer im Alltag erledigt werden muss, mehr als zwei Aufgaben nehme ich mir nicht vor. Der Rest vergeht mit Stillen, Babybrei machen (seit neuestem), Wickeln, in den Schlaf begleiten, Babys bespielen und bespaßen. Und dann ist es, zack, fünf Uhr. Und man wollte doch noch. Aber die Babies müssen raus (und ich auch).

Zwei so kleine Wesen brauchen ganz schön viel Aufmerksamkeit. In meinem Kopf sah ich immer zwei satte zufrieden spielende oder vor sich hin staunende Babies vor mir, die eigentlich nur weinen, wenn sie hungrig oder müde sind. Ha. Ha. Ha.

Wenn ich „zu lange“ etwas anderes mache, melden sie sich. Das kann nach fünf oder 25 Minuten so weit sein. Dann ist ihnen langweilig oder sie lernen gerade sich umzudrehen und schaffen es nicht zurück auf den Rücken. Auf einmal dreht man den ganzen Tag Babies auf den Bauch oder auf den Rücken, reicht diese Rassel oder jene und fängt so spontan an zu singen wie ein Hauptdarsteller im Musical. Währenddessen hofft man, beiden in etwa die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken und die Kuscheleinheiten gerecht zu verteilen – puuuuuh.

Ein Höllenritt oder Die ersten zwei Monate mit Zwillingen

Zum Glück hat die Natur es so eingerichtet, dass man nach der Geburt noch ziemlich lange auf einer Welle von Glückshormonen und Adrenalin dahinrauscht. Keine Ahnung, wie man die erste Zeit mit den Babies sonst überleben soll. So in etwa stelle ich mir vor, einen Marathon zu laufen und zu gewinnen. Jeden Tag.

Durch den Kaiserschnitt und den hohen Blutverlust war ich die ersten Wochen ziemlich wackelig auf den Beinen. Meistens lag ich mit ein bis zwei nuckelnden Babies auf dem Sofa. Ab und an schliefen sie in ihrem Stubenwagen (a.k.a. Kinderbett auf Rädern, weil da beide reinpassten), aber am liebsten lagen sie auf oder an mir.

Als wir frisch zu Hause waren, behielten sie zunächst ihren Krankenhaus-Rhythmus bei. Das hieß alle drei Stunden wickeln, trinken, weiterschlafen. Das Vertrauen, dass die Babies schon selber wissen, wann sie Hunger haben, kam erst mit der Zeit. Auch die Schlafgewohnheiten änderten sich nur langsam. Anfangs legten wir sie jede Nacht zusammen in ihr Bettchen. Sie zum Stillen jedesmal herauszuholen, hat mich schnell genervt und uns alle viel Schlaf gekostet. Also haben wir nach einiger Zeit eine Seite vom Kinderbett entfernt und es hochprofessionell mit Kabelbindern an unserem Bett befestigt. Bis heute liege ich so nachts zwischen den beiden und muss mich zum Stillen nur in die eine oder andere Richtung drehen.

Der Mann ging nach fünf Wochen wieder voll arbeiten. Also googelte ich tagsüber verzweifelt Dinge wie „Alleine mit Zwillingen, wie organisiere ich mich?“. Das Internet schwieg. Durch die Anfangszeit muss man wohl einfach durch. Oft blieb ich mit den beiden einfach so lange es ging im Bett und stümperte mich dann irgendwie durch den Nachmittag.

Von anderen Eltern bekamen wir Mut zugesprochen: „Jetzt seit ihr im Auge des Sturms. Noch ein bißchen durchhalten und alles wird besser.“ Und das wurde es. Wöchentlich! Anfangs zogen sich die Tage unendlich – und die Monate flogen nur so dahin. Wir spielten uns als Familie ein und aus den Säuglingen wurden Babies. Sie fingen an zu lächeln, zu schauen, das Köpfchen zu heben, zu greifen und sich zu drehen.

Helfer willkommen!

Die erste Woche zuhause war meine Mutter da und half, wo sie konnte. Essen kochen, aufräumen, einkaufen. Nicht sehr dankbare Aufgaben für eine frischgebackene Omi, aber ich und die Babies waren nach der anstrengenden Zeit im Krankenhaus im Dauerkuschel-Schlaf-Still-Modus und wollten nichts außer Zusammensein.

In den folgenden Monaten hatten unsere Besucher mehr Babyspaß, nichtsdestotrotz war die beste Hilfe ein frisch gekochtes Essen. Nie haben wir schlechter gekocht und gegessen als in den ersten Babymonaten. Gemeinsam zu essen war am Anfang fast unmöglich. Wie oft war das Essen fertig und die Babies hungrig! Abendessen nachts um zwölf? Mehr als einmal passiert. Bis heute schlafe ich oft mit den Babies ein und werde vom Mann zum Abendessen geweckt.

So tagträumte ich bisweilen von einem täglich frischen Häppchen-Buffet im Wohnzimmer, wo ich mir nur im Vorbeigehen was schnappen müsste. Leider lief es viel zu oft auf halbverbrannte Tiefkühlpizza und lasche Pasta mit Tomatensauce hinaus.

Mittlerweile sind aus den beiden zwei sehr soziale Wesen geworden, die sich gerne von Omas und Opas, Tanten und Onkeln beknuddeln und bespaßen lassen. Auch für die Kinderwagengucker bei unseren täglichen Spaziergängen ist oft ein Lächeln drin. Diese Kontaktfreudigkeit nutzen wir natürlich schamlos aus und überreichem dem glücklichen Gegenüber gerne ein Baby, um in aller Ruhe einen Kaffee zu trinken oder zu essen.

Mit Zwillingen allein zu Haus

Als Zwillingsmama habe ich eines sehr schnell gelernt: Gelassenheit. Das bedeutet, mich nicht von jedem Quaken aus dem Konzept bringen zu lassen. Sich einzugestehen, dass ich nicht immer beiden gerecht werden kann. Auszuhalten, dass ein Baby weiter weint, während das andere gestillt wird oder gerade einschläft. Zu lernen, beide gleichzeitig zu beruhigen (oder zumindest abzulenken). Ein selig schlafendes Baby aus dem Arm zu legen, weil das andere auch hungrig ist. Im Zwillingsalltag gibt es Unmengen solcher Momente. Das kann einem das Herz brechen. Am liebsten würde man sich zweiteilen, statt sich ständig zu fragen: Welches Baby braucht mich jetzt mehr?

Es gibt Tage, an denen ich mittags im Pyjama auf dem Boden sitze und die Babies auf meinem Schoß wippe. Es gibt Tage, an denen sie ein kleines Nickerchen machen und ich duschen kann. Und dann gehen wir eine Runde raus, weil das Wetter so schön ist. Dann gibt es Brei und irgendwie ist es schon wieder so spät und ich habe selber noch nichts gegessen. Es gibt Tage, an denen sie einfach nicht einschlafen wollen, obwohl sie selbstverständlich todmüde sind. Das einzige was mir hilft, ist ein fester Rhythmus – und die Disziplin, diesen einzuhalten. Angefangen haben wir damit etwa ab dem vierten/fünften Monat, wirklich rund läuft es hier erst seit ein paar Wochen. Und immer noch kann ein zu spät gemachter Brei mir den ganzen Tagesablauf durcheinander bringen.

Dazu muss ich sagen, die Babies sind jetzt acht Monate alt und in einer für mich sehr komfortablen Phase. Sie sind groß genug, um sich eine Weile selbst zu beschäftigen und beweglich genug, um an ihr Spielzeug heranzukommen. Und auch wenn eine mittlerweile kreuz und quer durchs Wohnzimmer wuselt, bin ich zum Glück immer noch schneller. Für mich bedeutet das, ich kann in Ruhe meinen Kaffee trinken. Naja, fast. Es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis ich hier mit zwei in verschiedene Richtungen krabbelnde Babies sitze, die ich vor ungeahnten Gefahren bewahren muss.

Allen zukünftigen Zwillingseltern möchte ich an dieser Stelle herzlich gratulieren (das machen viel zu wenige)! Das schafft ihr!

Tagebuch: Morgen Kinder, wird´s was geben…

Heute war so ein Nachdenke-Tag. Weihnachten nähert sich mit Riesenschritten, es steht im wahrsten Sinne vor der Tür und die Woche ist viel zu schnell vergangen, wie immer. Vor ein paar Tagen haben wir einen neuen kleinen Menschen in unserer Familie willkommen geheißen. Und zack, da war sie, die Nachdenklichkeit. Was mir heute alles durch den Kopf geschwirrt ist!

Erstens habe ich daran gedacht, dass ich mir früher immer ausgemalt habe, wie meine Kinder und die meiner besten Freundin und Cousinen genau wie wir als Nachbarskinderbande die Gegend unsicher machen. Jetzt sind wir alle in anderen Städten und Ländern und es stellt sich die Frage, ob sie überhaupt jemals wirklich befreundet miteinander sein werden.

Die Babies sind heute wie immer so gegen acht aufgewacht, der Mann hatte noch Zeit, sie zu wickeln (juhu!) und ich konnte fünf Minuten weiter dösen. In den letzten Tagen ist Junibaby plötzlich nachts um vier aufgewacht und war eine Stunde wild am wippen, da half nichts außer aufstehen und im Arm herumtragen, bis sie einschlief. Wir sind also etwas müder als sonst und schieben es, wie alle unerklärlichen Nöligkeiten der Babies, auf das Zahnen. Naja, Zahnen oder Wachstumsschub, wobei sie so gesehen schon seit Monaten dauerzahnen und dauerschuben, das ist ja auch nicht realistisch, aber was soll´s, irgendwas wird´s schon sein.

Erstmal Kaffee und ein bißchen spielen, was im Moment bedeutet, die Babies aus womöglichen Gefahrenzonen wegtragen und Papierfetzen aus dem Mund holen. Dann gibt es Obst, welches unter mäßiger Begeisterung zermatscht und gegessen wird. Bei den kleinen Mengen fragt man sich ja schon, ob das auch wirklich reicht an Essen. Also google ich ein bißchen zu BLW und Beikost herum und bin wieder beruhigt. Solange ich weiterhin stille, scheint alles in Ordnung zu sein.

Nach einem kurzen Nickerchen gehen wir duschen, also ich, und die zwei staunen dazu. Für meine tägliche One-Man-Show sind die beiden sowieso ein sehr dankbares Publikum. Aber bloß nicht trödeln, sonst werden sie ungehalten! Ein abwechslungsreiches Programm wird gewünscht! Haare kämmen wird mit großen Augen beobachtet, außerdem gibt es heute „Das große Wäscheaufhängen“ und „Fegen“ im Programm.

Danach gibt es Mittagessen für alle und Siesta im Kinderwagen. Jacken anziehen ist blöd, aber sobald ich die Haustür aufmache, freuen sich beide und schlafen sogar bald ein. Wir drehen eine Runde am Strand. Bei Palmen und Meer kommt mir das letzte Fitzelchen Weihnachtstimmung abhanden, dabei ist in der Stadt fein dekoriert, aber es ist einfach nicht kalt und dunkel genug. Außerdem fehlen mir Poffertjes, Glühwein und gebrannte Mandeln. Eigentlich komisch, dass sich das mit der weißen Weihnacht so durchgesetzt hat, schließlich ist Bethlehem ja auch kein verschneites kleines Bergdorf. Die Krippen hier sind so gesehen viel realistischer, da reiten die heiligen drei Könige durch eine Art Wüste und Palmen gibt es auch.

Der Tag rast so vorbei, ich bin aufgeregt, weil wir noch packen müssen, die Geschenke sind natürlich noch nicht fertig gebastelt und morgen früh geht es schon zum Flughafen. Wie immer läuft kurz vor den Feiertagen das Handy heiß und ich verabschiede mich gedanklich von einer besinnlichen Weihnachtszeit. Es wird wie jedesmal der Versuch werden, alle lieben Menschen unter einen Hut zu bringen und am Ende hat man das Gefühl, für keinen so richtig Zeit gehabt zu haben. Oder man hat sich wirklich Zeit genommen und dafür nicht jeden getroffen, den man das Jahr über so vermisst hat. Man kennt das ja.

Dazu kommt noch der ganz normale Weihnachtskoller, den ich jedes Jahr bekomme. Wer und was sich da alles immer zusammenrauft und zusammenbraut ist filmreif. Muss das so? Ist das einfach der ganz normale Wahnsinn?

Die Babies schreien und nörgeln sich durch den Nachmittag, heute ist es wirklich ein Zahn, da ist was spitziges zu ertasten. Die andere heult empathischerweise gleich mit, beide sind anhänglich und wollen auf den Arm, also verbringe ich wertvolle Koffer-Pack-Stunden kinderliedersingend auf dem Boden sitzend.

Schwägerin und Schwager kommen noch zum Verabschieden vorbei, der Mann ist das erste Mal über Weihnachten mit in Deutschland, was mich sehr freut – aber auch sehr nervös macht. Ich hoffe, er fühlt sich wohl. An den eigenen Familienwahnsinn ist man ja gewöhnt, aber so ein Schwiegerfamilienwahnsinn in einem anderen Land ist eine ganz andere Nummer (ich spreche da aus Erfahrung). Zwischendurch frage ich mich, ob die Option „einsame Berghütte zu viert“ noch umzusetzen ist, dann denke ich: Augen zu und durch. Wie jedes Jahr wird es schon werden, das Essen wird schmecken, der Baum fachgerecht aufgebaut, geschmückt und beleuchtet sein und die Weihnachtslieder lassen sich wunderbar schief singen.

Und dann schlafen die Babies endlich, wir essen Tiefkühlpizza und packen zu viel Zeugs ein und tja, irgendwie musste ich diesen Tag noch loswerden. Jetzt aber ins Bett, morgen früh um sechs geht es los und Fliegen mit zwei siebenmonatigen Babies ist eine weitere Herausforderung. Also, gute Nacht und Frohes Fest!

Alles doppelt gemoppelt? Welche Sachen wir für die Zwillinge im ersten halben Jahr wirklich gebraucht haben

Wichtig war uns von Anfang an: Bloß nicht zuviel Babykram! Wir wollten nicht im Bälleparadies leben, sondern nur Sachen haben, die wir wirklich gebrauchen können. Das hat nicht 100% funktioniert. Ha, wie auch?! Alle wollten gerne etwas für die Babies schenken und nach dem hundertsten „Was braucht ihr denn?“ gingen uns die Antworten aus. Was rede ich da! Nach dem fünften. Da wir noch vollkommen neu im Eltern-Business waren, hatte uns die Frage schon zu Beginn der Schwangerschaft Kopfzerbrechen bereitet. Als endlich der berühmte Nestbau-Trieb einsetzte, durchstöberte ich das Internet nach Tipps und stellte mir eine Liste für die Grundausstattung zusammen. Dazu gab es noch eine Sektion „Nice to have“, auf der ich alles sammelte, was mir unterwegs so in den Sinn kam.

Viele hatten andererseits „Angst“, was falsches oder schon vorhandenes zu schenken. Immer wieder überlegten wir, was wir uns brauchbares wünschen könnten. Das war gar nicht so einfach! Denn, und das hat sich in diesem ersten halben Jahr mit den Zwillingen bestätigt: Babies brauchen nicht viel. Solange Mama, Milch, was zum Anziehen und Windeln da sind, ist alles in bester Ordnung. Mama braucht dann noch Papa oder einen sonstigen Helfer, genügend zu essen und mentale Unterstützung. Wenn das soweit passt, gibt es allerdings schon noch ein paar Dinge, die den Alltag mit Zwillingen erleichtern.

Was ziehen die Babies an?

Welche und vor allem wie viele Anziehsachen unsere Babies brauchen, habe ich nie herausgefunden. Wir haben aus reinem Spaß an der Freud‘ zwei Sets Neugeborenenkleidung gekauft, um die Babies auch mal schick zu machen. Das waren ein Body, eine Mütze, zwei Strampelhosen und zwei Jäckchen pro Baby. Das wars. Der Rest kam aus einer Riesenkiste an Babysachen, die hier im Bekanntenkreis die Runde macht, eine zweite Kiste hat mir eine Freundin aus Deutschland geschickt (dankeschöööön!). Da war von allem genug dabei. Wir hatten und haben mehr als genug und haben viele Sachen garnicht benutzt. Trotzdem habe ich mich (entgegen meiner Befürchtungen) über geschenkte Babyklamöttchen gefreut. Ab und zu will man seinen Süßen einfach was schönes Neues anziehen! Mal sehen, wie wir die nächsten Monate klamottenmäßig über die Runden kommen, so langsam verebbt die Kleiderflut.

Was war meine Rettung?

Um den Alltag mit Zwillingen zu meistern, haben mir vor allem zwei Dinge geholfen: ein Tragetuch (Boba Wrap) und eine Federwiege. Beide stammen aus dem oben genannten Elternfundus und waren ein Segen für mich. Klein Petita hatte ich in den ersten vier Monaten so oft es ging im Tuch. Da fühlte sie sich am wohlsten und schaute zufrieden in die Welt. Leider konnte sie nicht den ganzen Tag da drin bleiben, schließlich wollte ihre Schwester ja auch zwischendurch stillen oder getragen werden. Das war ein ganz schönes Gewickel! Trotzdem hat es mir sehr geholfen.

Die Federwiege wurde fast vollständig vom Junibaby belegt. Sie schläft bis heute am liebsten sanft wippend darin ein – ideal für den Mittagsschlaf! Wir haben sie strategisch geschickt über dem Sofa platziert, so kann ich Petita auf der Chaiselongue in den Schlaf begleiten und mit einer Hand die Zwillingsschwester wippen.

Im heißen spanischen Sommer war es nie besonders schön ein Stillkissen zu benutzen, wer legt sich schon bei 36 Grad gerne ein dickes Kissen um den Bauch? Wenn beide Babies lauthals brüllen, hilft jedoch nur Tandemstillen und dafür ist so ein Kissen schon hilfreich. Die ersten zwei Monate habe ich dazu ein normales Stillkissen zusammen mit ein paar Sofakissen benutzt. Das war ziemlich nervig, ständig ist ein Kissen oder ein Baby verrutscht. Schließlich haben wir uns das Zwillingsstillkissen von CorpoMed bestellt. Tandemstillen ist für mich immer eine Notlösung geblieben, so Babies bewegen sich ja auch und haben verschiedene Lieblingspositionen. Trotzdem war das Kissen ein echter Helfer in der Not. Mittlerweile dient es uns als äußerst gemütliches Aufm-Sofa-abhäng-Kissen und man kann außerdem gut ein Baby dazwischensetzen. Der Kauf hat sich also mehrfach gelohnt.

Was haben wir bisher wenig gebraucht?

Die Milchpumpe habe ich ungefähr dreimal benutzt. Zwei Babies trinken ja schon häufig; gerade am Anfang hätte ich nicht gewusst, wann ich denn nun auch noch Milch abpumpen soll. Die paar Male, die es geklappt hat, waren dann auch etwas frustrierend, denn keins der Babies wollte aus der Flasche trinken. Doof. Jetzt finden sie Fläschchen (mit Wasser) aber recht spaßig. Vielleicht kommt das mit dem Milchabpumpen ja noch?

In der Hektik des Nachhausekommens hatte der Mann außerdem einen Fläschchenwärmer und einen Sterilisator für die Mikrowelle gekauft. Letzteren haben wir so lange benutzt, bis ich eines Tages übermüdet die Mikrowelle zweimal hintereinander angestellt habe und der O-Ball zusammen mit den Schnullern darin geschmolzen ist. Seitdem reicht uns Wasser und etwas Seife. Einen neuen O-Ball haben wir auch nicht gekauft (sie waren immer so wütend, weil sie nicht reinbeißen konnten).

Womit spielen die Zwillinge?

In den ersten Monaten war ein Mobilé natürlich der Hit. Das staunten sie dann an. Als sie etwa drei Monate alt waren, haben sie zwei kleine Spieluhren geschenkt bekommen, die lieben sie bis heute. Wenn sie quengelig sind, kann man sie damit super ablenken. Die kleinen gelben Kästchen werden mittlerweile genauestens untersucht und benuckelt.

Wir hatten eine Spieldecke mit Bogen, die ich einmal monatlich rausgeholt habe, bis sie mit fünf Monaten endlich Interesse an den daran baumelnden Sachen zeigten und anfingen, danach zu greifen. Heute benutzen wir die Decke ohne den Bogen, von den Sachen die daran hingen, finden sie immer noch einen kleinen Spiegel und eine Rassel interessant.

Generell ist jetzt alles toll, was Geräusche macht. Die Lieblingsrassel ist seit zwei Monaten ein langweilig aussehender einfacher Holzring von Grimm´s (mit drei kleineren Ringen dran), auf dem man auch noch schön herumbeißen kann. Kuscheltiere und Doudous werden kurz angelutscht und dann liegen gelassen, die warten noch auf ihren großen Moment. Ansonsten mögen sie Fingerspiele und lieben Alltagsgegenstände – alles was Mama und Papa in der Hand haben, hätten sie auch gerne.

Aktuell mögen sie eine Tupperdose mit klappernden Wäscheklammern drin, einen leeren Fünf-Liter-Wasserkanister (das Leitungswasser hier schmeckt nicht), meine Hausschuhe und alte Zeitschriften. Das mit den Zeitschriften ist so eine Sache, weil sie die am liebsten essen, aber solange ich in der Nähe bin, lasse ich sie ein bißchen damit herumwurschteln.

Was ist sonst noch praktisch?

Aus Deutschland habe ich mir zur Geburt bunte Spucktücher gewünscht, die findet man hier kaum. Die hatten wir vier Monate ständig im Einsatz, heute dienen sie häufiger zum „Kuckuck“ spielen.

Wir haben zwei Babywippen, die wir eine Weile zum Brei essen benutzt haben. Vor ein paar Tagen haben wir zwei TrippTrapps aus zweiter Hand ergattert, seitdem essen wir mehr oder weniger gemeinsam. Die Babywippen benutze ich immer nur kurz, so kann ich zum Beispiel „in Ruhe“ duschen und dabei ein Auge auf die Babies haben.

Tja, und das war es dann auch. Ich bin gespannt was die nächsten Monate bringen. Sie können sich ja jetzt immer besser vom Fleck bewegen und werden immer neugieriger – wer weiß, welche Hilfsmittel und Tricks dann unsere Rettung sind?

Eine Gruppe von Cagatios, katalanischen Weihnachtswesen

Es weihnachtet sehr

Heute war Nikolaus und ich habe uns Erwachsenen ganz unerwachsen zwei Überraschungseier gekauft, um der Tradition in diesem Haushalt ein bißchen gerecht zu werden. Nach Spanien kommt der Nikolaus nicht, das ist also ein Teil der deutschen Kultur, den ich meinen Mädchen näherbringen möchte. Wie jedes Jahr habe ich eine kleine Krippe und einen kleinen, hm, Weihnachtsstrauß? aufgebaut, als Adventskranz dient eine rote Kerze (ich schaffe es nie, alle vier Kerzen abzubrennen, darum nur eine).

Unter Palmen und bei Sonnenschein kann einem das heimelige Weihnachtsgefühl schnell abhanden kommen, da muss ich mich immer ein bißchen bemühen. Dieses Jahr passt die Stimmung aber ganz gut zur Jahreszeit. Ob das an den Babies liegt? Oder daran, dass es ausnahmsweise winterlich kalt ist?

Weihnachten auf katalanisch

Es gibt hier an der Mittelmeerküste keinen winterlich verschneiten Wald und ein Schneeflöckchen Weißröckchen löst hier ein mittleres bis großes Verkehrschaos aus, habe ich mir sagen lassen. Die Großeltern erinnern sich noch an die Gran Nevada, die „Große Schneierei“ von 1962. Zuletzt schneite es hier 2010 und der Mann brauchte neun stunden von der Uni nach Hause (statt einer).

Entsprechend fühlt sich Weihnachten hier einfach anders an. Auf dem Weihnachtsmarkt gibt es keinen Glühwein und nichts zu Essen, sondern Krippenfiguren und Weihnachtsdeko. Das finde ich sogar ganz schön, so aufs Wesentliche reduziert. Ich kann mir vorstellen, dass die ersten Weihnachtsmärkte in Deutschland auch so angefangen haben.

Spaziert man über einen katalanischen Weihnachtsmarkt, können einem zwei seltsame Wesen auffallen: Der Caganer und der Tio de Nadal.

Der Caganer ist eine etwas außergewöhnliche Figur (und ein Verkaufsschlager), die ihren Platz in jeder typisch katalanischen Krippe hat. Auf gut deutsch gesagt, hockt der „Scheißer“ etwas abseits der heiligen Familie und kackt in die weihnachtliche Landschaft. Fragt mich nicht, woher der Brauch kommt, der Mann meint dazu: Nun ja, der musste halt vor Aufregung mal, weil das Jesuskind geboren wurde. Irgendwer auf der Welt kackt ja immer gerade, also macht der Caganer die Szene erst glaubwürdig. Auf den Weihnachtsmärkten finden sich Caganers in vielen verschiedenen Ausführungen, darunter Angela Merkel, Leo Messi und Donald Trump, aber mir gefällt er am besten im traditionellen katalanischen Gewand.

Warum die Katalanen Weihnachten mit Kacken verbinden, weiß wohl niemand so genau. Jedenfalls gibt es ein weiteres Zauberwesen, welches das Thema aufgreift und Kinderaugen leuchten lässt: Der Tio de Nadal (Weihnachtsonkel) oder Cagatio (Kackonkel). Dieser Zeitgenosse ist mir sehr ans Herz gewachsen. Es handelt sich hierbei um einen possierlichen Holzscheit (siehe Titelfoto), der in der Vorweihnachtszeit seinen kalten Wald verlässt, um bei uns Menschen zu überwintern. Bei einigen Familien steht er eines Tages vor der Tür, andere entdecken ihn bei einem Waldspaziergang.

Die Kinder füttern ihren Cagatio eifrig mit Mandarinen und Nüssen, bis er am 25. Dezember so satt und glücklich ist, daß er kleine Geschenke kackt. Warum er dazu mit einem Stock gehauen wird, ist mir schleierhaft. Jedenfalls bevölkern um Weihnachten herum zahlreiche Cagatios die Weihnachtsmärkte. Ein baumstammgroßes Exemplar steht neben dem städtischen Weihnachtsbaum und lädt zum Fotos machen ein.

Wer bringt die Geschenke?

In Spanien gibt es die für mich sehr nachvollziehbare Tradition, dass die Geschenke am Dreikönigstag gebracht werden und zwar von den Reyes Magos, den Heiligen Drei Königen. Was mir daran besonders gefällt, ist die rührende Umsetzung dieser Tradition. Ein glaubwürdigere Darstellung könnten weder der Weihnachtsmann noch das Christkind abliefern.

Wochen vor Weihnachten entsenden die Könige ihre Pagen in die Städte, um die Wunschzettel der Kinder entgegenzunehmen. Je näher Weihnachten rückt, desto länger werden die Schlangen vor dem Pavillon, in welchem der Page logiert.

Am fünften Januar kommen die Heiligen Drei Könige in Spanien an. Bei uns im Ort landen sie am Hafen und fahren dann in einem großen Umzug durch die Stadt. Aus märchenhaft dekorierten Wagen werden ähnlich wie beim Karneval Bonbons geworfen (allerdings viel weniger) während am Straßenrand die Kinder vor Aufregung fast vergehen. Einige Kinder halten wie bei Sankt Martin Laternen in der Hand (was es hier leider nicht gibt).

Fast jedes Kind hat seinen Lieblingskönig, der sehnsüchtig erwartet wird. Und da kommt auch schon der erste mit seinem Gefolge. Orientalisch gekleidete Trommler gehen seinem Wagen voraus. Der König sitzt hoch oben auf seinem Thron, umgeben von seinen Dienern. Einige Kinder werden auf den Wagen gehoben, um ihm ihren Wunschzettel persönlich zu überreichen. Übrigens: Schlimmerweise war der afrikanische König Balthasar lange Zeit ein schwarz angemalter Weißer, mittlerweile werden er und sein Gefolge von der afrikanischen Gemeinde dargestellt.

Nachts, wenn die Kinder schlafen, senden die Könige ihre Helfer aus. Am Morgen des sechsten Januar gibt es dann endlich Bescherung. Wer nicht brav war, bekommt einen Sack voller Kohlen. Die „Kohlen“ sind schwarz gefärbte Zuckerklumpen in kleinen Jutebeuteln – manchmal bringe ich aus Quatsch welche nach Deutschland mit, probiert habe ich sie allerdings noch nie.

Für die Spanier zieht sich die Weihnachtszeit also bis zum sechsten Januar – ganz schön lang! Für uns als binationale Familie ist das ziemlich praktisch: So können wir Heiligabend ruhigen Gewissens in Deutschland verbringen und am Dreikönigstag bei der spanischen Familie feiern. Finde ich zumindest, für den Mann wird es dieses Jahr das erste Weihnachten in Deutschland. Er fremdschämt sich schon, weil ich ihm gesagt habe, dass wir bestimmt Feliz Navidad singen werden 😀

Die erste Woche mit Zwillingen – ein Rückblick

Als die Zwillinge gerade geboren waren, und alles neu, schlaflos und aufregend war, hat es uns jeder gesagt: Die Zeit vergeht so schnell, genießt es! Wir haben es genossen und genießen es noch immer, aber ich muss sagen: Die ersten zwei Monate waren verdammt anstrengend. Wir mussten uns aneinander gewöhnen und versuchen, den Alltag zu meistern.

Irgendwann um den dritten Monat herum wurde es auf einmal leichter: Mehr Schlaf, mehr Routine, mehr Gespür füreinander. Jetzt sind die Zwillinge längst keine winzigen Säuglinge mehr, sondern richtige Babies. Und ja, die Zeit ist so! schnell vergangen! Wie immer, wenn die Babies einen kleinen Geburtstag haben, erinnere ich mich an die erste Woche zu viert…

„La Bessonada“

Auf die schwierige Geburt folgten anstrengende Wochen. Davon war die erste sicher die schwierigste. Zwei Tage lag ich auf der Intensivstation und konnte meine Babies nur auf den Fotos sehen, die der Mann mir zeigte. Die ersten zwei Tage in ihrem Leben habe ich verpasst. Es gab keinen kuscheligen Stillbeginn mit Haut-an-Haut-Kontakt, sondern Fläschchen für sie und Milchpumpe für mich. Der Mann pendelte zwischen mir und den Babies hin und her und hielt meine Familie und die beste Freundin in Deutschland auf dem Laufenden. Erst nach 36 Stunden, als er wusste, dass ich außer Gefahr war, konnte er etwas schlafen.

Aber die Babies mussten ja auch versorgt werden! Alle drei Stunden kamen die Kinderkrankenschwestern und brachten die Fläschchen. Die Großeltern und Tanten kamen, um zu helfen. Währenddessen wartete ich darauf, endlich meine Mädchen in die Arme zu schließen.

Bekannt als „La Bessonada“ waren wir fester Bestandteil des Krankenhaustratsches (das katalanische Wort für Zwillinge ist bessons, also könnte man den Begriff grob mit „die Zwillingerei“ übersetzen). So eine dramatische Geburt, die Mutter immer noch auf der Intensiv und die zwei Neugeborenen mit dem Vater auf der Kinderstation, das spricht sich herum.

Alle nahmen Anteil, von der Putzfrau bis zum Oberarzt. Die Kinderkrankenschwester kam zu mir, um nach der „Mami von den zwei Schönen“ zu schauen und zu sagen, dass es ihnen gut geht und sie auf mich warten. Die Hebamme, welche mich bei der Geburt begleitet hatte, schickte eine Freundin vorbei, die gerade Dienst hatte (sie selbst kam bei ihrem nächsten Dienst natürlich auch). Die Ärztin, die den Kaiserschnitt gemacht hatte und der Arzt, der mich durch die letzten Wochen der Schwangerschaft betreut hatte, kamen natürlich. Alle waren sehr herzlich und liebevoll und machten uns Mut.

Eine schrecklich schöne Woche

„Ein Mann hätte das nicht geschafft. Aber diese frischgebackenen Mütter haben etwas in sich…“ sagt der Arzt, als er mich endlich von der Intensivstation entlässt. Ob es wirklich geholfen hat, dass ich meine Babies noch einmal kurz sehen konnte, bevor die Narkose wirkte? Am Nachmittag des zweiten Tages darf ich jedenfalls endlich zu ihnen. Ein Pfleger schiebt mich im kollernden Bett durch die Flure zum Aufzug. Ich bin aufgeregt und nervös. Als wir ins Zimmer kommen, wartet mein Mann auf mich. Die Babies werden gerade gewogen und gebadet. Im ersten Moment bin ich etwas enttäuscht und unruhig, dann hören wir schon Geschrei und die klappernden Bettchen im Flur.

Kamen beide gleichzeitig herein oder nacheinander? Ich weiß nur noch, daß ich ziemlich schnell beide an der Brust hatte und meine kleine Erstgeborene seit dem Moment nicht mehr von meiner Seite wich. Die erste Nacht mit den beiden habe ich fast nicht geschlafen, so aufgeregt war ich. Ständig musste ich diese kleinen Wunderwesen betrachten und bestaunen.

Die weiteren Tage im Krankenhaus waren irgendwie schrecklich, absurd und wunderschön. Schrecklich, weil ich überall Schläuche hatte, die Narbe schmerzte und ich mich kaum bewegen konnte. Ständig musste mir jemand die Babies anreichen und mir helfen, mich in Stillposition zu bringen. Mich schmerzte, dass ich nicht die Kraft hatte, die beiden selber zu wickeln, auch wenn das Papa, die Krankenschwester oder die Tante super erledigt haben.

Eigentlich wollte ich nur mit den beiden alleine sein, stattdessen gab es im Krankenhaus-Alltag kaum Ruhepausen. Alle drei Stunden Fläschchen, dazwischen Visite für mich, für die Babies, Frühstück, Babies wiegen und baden, waschen und Medikamente für mich, netter (und weniger netter) Besuch, Mittagessen, wickeln…so ging es Tag und Nacht weiter. Dazu schwitzte ich vor mich hin, die Sonne knallte ins Zimmer und man konnte die Fenster nicht öffnen. Also alles andere als schön.

Absurd, weil einige Situationen so doof waren, dass wir nur noch ungläubig lachen konnten. Es gab sehr nette Kinderkrankenschwestern (meistens die jungen) und die abgebrühten Nachtschwestern alter Schule mit ruppigem Griff und strengem Gesicht. Mit letzteren stritten wir uns, wenn die Babies ihre Fläschchen nicht ausgetrunken hatten – obwohl ich ja bereits stillte. Die andere Mutter, die für zwei Stunden das Zimmer mit uns teilte: Drei Neugeborene und zwei Elternpaare in einem Raum, dazu mein desolater Zustand und Besuchszeit. Grauenhaft! Am Nachbarbett eine frischgebackene Oma und eine von der Geburt erschöpfte Mama, während ich noch nichtmal alleine auf Toilette gehen kann. Stichwort Bettpfanne. Mehr muss man nicht sagen. Sämtliches Pflegepersonal hat sich bei uns (und sicher auch bei ihr) entschuldigt, als sie später auf ein freies Zimmer verlegt wurde. Das war definitiv der Tiefpunkt. Es war so dermaßen blöd alles, dass wir irgendwann nur noch darüber lachen konnten.

Wunderschön. Da waren meine Babies, der Mann und ich, alle vier. Gesund und froh, zusammen zu sein. Trotz des ganzen Trubels um uns herum hatten wir ab und zu Momente, in denen die Zeit kurz still stand. Ein leises Gespräch mit den schlafenden Babies auf dem Arm. Die Stunde am frühen Morgen, bevor der Tag losging. Der Mann, der jede Nacht auf dem unbequemen Krankenhaussessel neben mir schlief. Das hat uns durch die ganze Woche getragen und begleitet mich noch heute.

Home sweet Home

Und dann, ganz plötzlich wurde ich entlassen, wirklich, von einem Tag auf den anderen. Erst einen Tag vorher hatte ich das erste Mal wieder geduscht und ein paar Schritte gemacht. Und dann hieß es: Wenn du bereit bist, könnt ihr nach Hause. Nichts wollte ich lieber. Endlich raus aus dem Krankenhausbett mit der Plastikmatratze, dem muffigem Zimmer und bloß weg von den Nachtschwestern mit ihren Alle-drei-Stunden-Fläschchen. Trotzdem ergriff uns Panik: Hatten wir alles zu Hause, was wir brauchten?

Während meine Schwägerin mir half, unsere Sachen zu packen, raste der Mann in die Stadt um den Windelvorrat aufzustocken und unsere Ankunft vorzubereiten. Den Weg zum Auto und nach Hause schaffte ich nur mithilfe von drei zuckerigen Limonaden und vielen Pausen, so wackelig war ich auf den Beinen. Im Nachhinein betrachtet klingt es etwas irre, aber in dem Moment wollten wir so schnell es geht heim. Dort erwartete uns das Chaos. Eine Woche vorher waren wir stürmisch Richtung Krankenhaus aufgebrochen und hatten alles stehen und liegen lassen. Dazwischen war der Mann nur zum Duschen und Babysachen holen hergekommen.

Tja, da saßen wir nun, zwischen Windelpaketen und Krankenhaustasche, mit den beiden winzigen Babies im Arm. Und atmeten auf.

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