Corona, Leben in Spanien

Positiv/Negativ

Vor zwei Tagen mussten wir mal wieder eine PCR machen lassen. Stäbchen in die Nase und in den Rachen, fies fies. Nummer drei für meine Petita, Nummer zwei für Juni, mich und meinen Mann.

Die “Erkältung” der Nachbarin hat sich als Corona-Infektion entpuppt. Ausgerechnet einen Tag vorher war die ganze Familie bei uns gewesen, die Kinder haben getobt und gespielt (und alles angefasst). Ich habe mich schon leicht paranoid gefühlt, weil ich alle Fenster aufgerissen und so gut es ging auf Abstand geachtet habe, aber nunja, Masken hatte keiner von uns auf.

Wir treffen uns sowieso nur mit diesen Nachbarn und einer anderen Familie, aber genau das ist ja das Problem, es wird vertrauter und doch habe ich nicht genug Mumm, die Nachbarn beim ersten Hüsteln raus zu schmeissen. Es ist so schwierig in diesen Situationen, eigentlich sollte die Pandemie-Etikette sein, bei dem leisesten Anzeichen zu Hause zu bleiben (und nicht zu klingeln und die Kinder mitzubringen). Jetzt haben wir den Salat.

Nach einem Tag voller Bangen und einer großen Putzaktion meinerseits haben wir heute unsere Ergebnisse bekommen: Von drei Familien, mit denen die Nachbarn in Kontakt waren, sind alle negativ getestet worden – bis auf mich. Die Nachbarsfamilie ist gesammelt positiv. Zwei Schulklassen und drei Familien sind damit in Quarantäne geschickt worden, etwa 53 Menschen. Wegen einem kleinen “Schnupfen”.

Meinem Mann war das Ergebnis heute nicht geheuer, also haben wir noch privat einen Schnelltest machen lassen. Wieso haben er und die Kinder nichts und ich schon? Also nochmal den palo in die Nase, unter Protest und Weinen beider Kinder und zwanzig Minuten warten. Und siehe da, alle negativ. Öh? Tja, kann sein. So ein Antigentest ist nicht so sensibel wie eine PCR und kann negativ ausfallen, wenn wenig Viruslast vorhanden ist. Direkt nochmal bei Drosten nachgehört und ja nun. Schrödingers Infizierte…Ich habe jetzt ein “Zertifikat” von der privaten Praxis, dass ich kein Corona habe und eine PCR-Analyse mit positivem Ergebnis. Da letzteres aber das ist, was uns verpflichtend nach Hause bannt, ändert sich nichts an der Situation.

Aber für mich ist es schön zu wissen, dass ich die Kinder nicht letzte Nacht angesteckt habe, als ich bei ihnen im Bett mit eingeschlafen bin. Und es gibt ja auch ein bisschen Hoffnung, wenn die Viruslast nicht so hoch ist, wird es ja vielleicht auch mild verlaufen? Oder ist das schlimmste schon vorbei? Hatte ich vielleicht schon viel früher eine Infektion, die ich nicht richtig bemerkt habe? Soll ich mich jetzt nochmal Testen lassen in ein paar Tagen, um sicher zu gehen?

Habe ich Symptome? Hatte ich Symptome? War da ein leichter Kopfschmerz? Und dieses Kratzen im Hals letzte Woche? Ich lausche in mich hinein und höre auf meinen Atem.

So oder so: Ab heute muss ich mich zehn Tage in einem Zimmer isolieren. Alles muss ständig gewaschen werden, alles soll gewischt und desinfiziert werden, jeden Tag neue Handtücher, neue Anziehsachen – die Wäscheberge sind jetzt schon riesig. Solange wir keine Sicherheit haben, betrachte ich mich als positiv und tendenziell ansteckend.

Zehn Tage, wo mein Mann und die Kinder ohne Hilfe auskommen müssen. Zum Glück sind wir schon im neuen Haus und haben zwei Bäder und genug Platz für alle. Zum Glück haben wir liebe Menschen um uns herum. Eine Freundin hat den Kindern Glitzertattoos in den Briefkasten gelegt (danke, L!) und geht für uns einkaufen. Meine Jobs sind gerade zum Glück alle an einem guten Punkt und ich kann eine Pause machen, zumindest übers Wochenende, bis wir sehen, wie alles läuft und wie es mir geht.

Jetzt müssen wir nur noch diese ganze Zeit herum bekommen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Klicken Sie hier, um Google Analytics zu deaktivieren.