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Mein Katalonien: Zwillinge, Mittelmeer und andere Abenteuer

Tag: Babyschlaf

Die Babies übernachten auswärts. Ein Drama in drei Akten.

Erster Akt: Der gute Plan.

“So”, sagte der Mann, “wollen wir die Babies nicht bald mal eine Nacht bei den Großeltern lassen?” Wir waren zu einer Hochzeit eingeladen und dachten, jetzt oder nie! – irgendwann ist immer das erste Mal. Schwiegermutter lag uns schon seit Bekanntgabe der Schwangerschaft (sic!) in den Ohren, dass sie die Kleinen auch mal eine Nacht nehmen könnte. Bei ihrer Schwester schlief die Enkeltochter schon, seit diese vier Monate alt war und allerorts sahen wir auf einmal zufriedene Eltern, die sich ab und zu mal eine Nacht alleine gönnten. Also dachten wir: Hey, die zwei sind jetzt über ein Jahr alt, sie stillen nicht mehr alle zwei Stunden und im Kindergarten schlafen sie mittags ja auch ohne Mama ein – lass uns auf der Hochzeit einen drauf machen, ins Hotel gehen und am nächsten morgen minimal verkatert die Babies abholen!

Natürlich mussten wir das vorher mal proben. So oft sehen die beiden ihre Yayos ja auch wieder nicht und falls was sein sollte, wären wir in der Nähe und innerhalb von einer halben Stunde da.

Gesagt, getan. Nach mehreren Monaten (Großeltern und Rentner, die haben ja nie Zeit, wa) hatten wir endlich einen Termin gefunden. Vor lauter Aufregung kabbelten der Mann und ich uns schon Tage vorher, wegen meiner Aussage, dass es mir nicht so leicht fiele, die beiden einfach so abzugeben. Spielte da ein kleiner Anflug von Eifersucht auf meine ungeteilte Aufmerksamkeit mit? Ich denke schon. Schließlich habe ich im Babytaumel den Mann zuweilen grob vernachlässigt, solange er mich beim Stillen nicht mit “Oh Gott, ich brauch Wasser, sofort!” und “Haben wir noch Schokolade?” versorgte. Er freute sich auf einen Abend als Paar, während ich mir Sorgen um die Babies machte?! Bei den Großeltern wären sie doch super aufgehoben. Ich hob meine Mama-Instinkt-Augenbraue und sagte nix. “Wenn was ist, können wir sie ja immer noch abholen” sprach der Mann. Na gut. An besagtem Abend spazierten wir mit den Babies zu den Großeltern. Zufrieden zerspielten sie unter den begeisterten Blicken der Yayos die Wohnung und wir machten uns kurz vorm Abendessen auf den Weg zurück in die Stadt.

Zweiter Akt: Wir schlafen.

Auf dem Weg überlegten wir euphorisch, was wir alles machen könnten. Alle Ideen, die mit lange aufbleiben zu tun hatten, verwarfen wir sofort. Unsere Favoriten waren: Lecker essen gehen oder zu Hause aufs Sofa lümmeln und ein bißchen Eurovision gucken. Wir gingen essen, um die neugewonnene Freiheit auch wirklich gut auszunutzen. Ab und zu warf ich einen Blick aufs Handy. “Meine Eltern werden nicht anrufen, auch wenn sie kein Auge zumachen”, sprach der Mann.

Als wir nach Hause kamen, gab es noch die Punktevergabe von Eurovision im Fernsehen. Wir hielten tapfer durch, bis der Sieger bekannt war. Die Handys blieben still. Schien ja alles gut zu sein, ein Glück! Dann fielen wir todmüde ins Bett. Schön, mal wieder ganz entspannt neben dem Mann zu schlafen. Keine kleinen Tretfüßchen und keine Stillunterbrechungen. Trotzdem wachte ich mehrmals in der Nacht auf.

Am  nächsten Morgen schmerzen meine Brüste wie beim Milcheinschuss und wir haben vier Anrufe in Abwesenheit von den Schwiegereltern. Uhrzeit 2:26, 2:27, 2:32 und 2:38. Dazu eine WhatsApp gegen sechs Uhr morgens: “Allesgut”. Das hört sich genau nach dem Gegenteil an, denke ich und habe sofort ein schlechtes Gewissen. Mist. Wieso habe ich das nicht gehört? frage ich mich und dann fällt es mir ein: Im Restaurant hatte ich das Handy auf lautlos gestellt. Oh nein oh nein oh nein. Wir haben tief und fest geschlafen, und bei Schwiegerelters war Babydrama! Ein Foto von unseren zufrieden essenden Töchtern wird geschickt und beruhigt mich etwas. Puuuuh, das sieht ja ganz gut aus…trotzdem: Kaffee und los, die Babies holen. Mein Körper drängelt auch: Über Nacht hat sich mein Brustumfang verdoppelt und meine Brüste fühlen sich an wie beim Milcheinschuss.

Dritter Akt: Das Wiedersehen.

Unsere Babies sind also nicht diese Wunderkinder, die das erste Mal woanders übernachten und dann plötzlich durchschlafen. Nein, sie sind, wie ganz normale Stillbabies, irgendwann in der Nacht aufgewacht (abwechselnd, gleichzeitig, je nach Uhrzeit) und haben lautstark nach Mamas Brust verlangt. Als sie diese nicht gleich fanden, sind sie nur unter Tränen und Großmütterlichen herumgetrage wieder eingeschlafen, während Großvater das jeweils schlafende Kind bewachte. Auf die Aussagen der Großeltern, wer wann wieviel geschlafen hat, können wir uns nicht verlassen, da meine Schwiegereltern zum Typ: “Die ganze Wahrheit könnt ihr nicht vertragen” gehören. Angeblich haben die Babies mindestens sechs Stunden geschlafen. Die Großeltern, man sieht es ihren Gesichtern an, gar nicht, auch wenn sie es nie zugeben würden. Wir wissen nur: Wenn es nicht wirklich dramatisch schwierig gewesen wäre, zwei schreiende Babies zu beruhigen, hätten sie niemals versucht nachts um halb drei anzurufen.

Nachdem ich zur Tür reinkam, stürzten sich meine beiden Mädchen erstmal auf mich und tranken, tranken, tranken. Dabei versprach ich ihnen hoch und heilig, sie erst wieder woanders übernachten zu lassen, wenn sie es wollen. Der Mann war etwas geknickt ob des Ausgangs dieses Experiments. Er hatte ja noch ein kleinen Funken Hoffnung gehabt, dass sie vielleicht einfach durchschlafen. Die Schwiegermutter hat sämtliche Übernachtungspläne aufgegeben und findet Stillen jetzt “ganz schrecklich”, mit Fläschchen wäre das ja nicht passiert. Mit dieser Aktion ist mir also gleich noch mein Vorzeige-Status als Stillmama abhanden gekommen. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich mich weiterhin am besten auf meinen Instinkt verlasse, und wenn der mir sagt, die Babies sind noch nicht so weit für dieses oder jenes, dann lassen wir es einfach. Und wenn anderer Leute Wunderbabies problemlos irgendwo durchschlafen, dann bleibt mir nur eins übrig: Den Eltern von Herzen ein paar schöne Abende zu zweit zu wünschen.

Plötzlich Ruhe! Wenn die Zwillingsbabies schlafen.

Ab und zu gibt es diese Momente (plural, jawohl!), in denen ich dasitze und denke: Huch, beide Babies schlafen! Was mache ich nun? Auf einmal gibt es da ein Zeitfenster in unbekannter Größe, dass ich vollkommen frei füllen kann. Aber, womit?

Ein Ratschlag den ich eine Trillion Mal gehört habe ist: Schlaf, wenn die Babies schlafen. Das geht ja nun mal gar nicht. Nachts, ja, gerne! Aber tagsüber? Da schlafe ich nur mit, wenn ein bis zwei Babies auf oder an mir dran liegen und ich mich nicht bewegen kann, ohne sie zu wecken. Denn nach dem Schlafen kommt immer ein großes ODER: Ich könnte jetzt schlafen, oder ich mache xyz.

“Na, dann tu doch mal was für Dich!”

Würde ich ja gerne, aber ich kann ja jetzt schlecht zum nächsten Spa abhauen. Ach, was sag ich da, zum Friseur wäre auch schick. Für solche Abenteuer brauche ich einen Babysitter oder eine nette Begleitung, die mir die kleinen Racker in den entscheidenden Momenten abnimmt. Oder anreicht, je nachdem.

Es gibt außerdem eine Fantastillion mehr Sachen, die endlich mal wieder tun könnte. Realistisch betrachtet reduzieren sich meine Möglichkeiten aufgrund meiner unbedingt erforderlichen Anwesenheit und der unbekannten Babyschlaf-Zeit X jedoch auf eine übersichtliche kleine Auswahl.

Liegen die Babies sicher? Na, los geht´s: An aller-aller-erster Stelle steht duschen. Laaaaaaange duschen. Bis der Spiegel beschlägt und ich mich fühle wie im Dampfbad. Raus aus der Dusche und zack, sind die Babies wieder wach. Aber ich fühle mich wie ein normaler Mensch, das ist einiges wert. Auch wenn ich es nicht mehr schaffe, mir die Haare zu kämmen.

Was, ich habe schon geduscht? Na gut, dann mach ich eben was anderes. Zur Auswahl stehen:

In Ruhe essen. Erfolgsquote: niedrig. Wenn das Essen fertig ist, quakt oft schon wieder jemand kleines. Klappt es aber und der Mann ist anwesend, können wir uns eines gemeinsamen Essens erfreuen. Um die Ruhe zu genießen, findet dieses meistens schweigend statt. Oder wir überlegen lange, was wir diesmal richtig gemacht haben und ob wir das wiederholen könnten. Wahrscheinlich ist es aber einfach nur Glück.

Mal schnell ein bissen aufräumen. Erfolgsquote: mittel. Halb aufgeräumt ist auch schön.

Das Internet durchlesen: Erfolgsquote: hoch. Geht auch mit schlafendem Baby auf dem Bauch oder in diesen grausamen Mama-Momenten nachts, wo Du aufwachst, nach den Babies schaust und beide selig schlafen.

Telefonieren. Erfolgsquote: Entweder sehr hoch oder sehr niedrig, je nach Gegebenheit:

a) Juhu! Beide lassen sich vom Klang meiner Stimme einlullen und schlafen selig weiter.
b) Oh, no! Während Baby eins in die Windel macht, wacht Baby zwei schreiend auf.
c) Hallo? Nein, nein, Du störst nicht. Jaaaa, dutzi dutzi, weiter schlaaaaafen! Wie geht es Dir? Moment! Ach, spannend! Was hast Du gesagt? Ach, weißt Du was, ich rufe Dich später nochmal an, wenn beide wieder eingeschlafen sind (letzteres klappt natürlich nicht).

 

Blogbeiträge schreiben. Erfolgsquote: niedrig. Kaum fange ich an zu schreiben

 

 

 

 

[Mehrere Tage dauernde Pause. Wir schweigen in Gedenken an die ungeschriebenen Blogbeiträge, die ich in meinem Kopf entworfen, ausformuliert und wieder vergessen habe.]

 

 

 

 

Ach, wisst ihr was, ich mach mir einfach einen Kaffee.

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