Corona, Leben in Spanien

Isolation Tag drei und vier.

Heute ist fast nichts passiert, ein Glück, der gestrige Tag muss bei uns allen noch sacken. Sich von der Familie so lange zu isolieren und jedes Lachen, aber auch jedes Weinen hinter der Tür zu hören ist nervenaufreibend. Gestern ist dann noch Petita mit großem Rums unsere lange Eingangstreppe runtergefallen. Anderthalb Stockwerke mit Überschlag. Ich dachte erst, meinem Mann wäre ein Koffer (was einem so in den Kopf kommt…) heruntergefallen, so laut war das.

War aber das Kind. Und ich sitze im Zimmer und höre beide Kinder weinen und würde eigentlich sofort rausstürmen, versuche aber durchzuatmen und denke/hoffe, wird schon nicht so schlimm sein. Hört sich ja immer wilder an, als es ist, sowas.

Aber irgendwie beruhigt sich keiner und ich schaue dann doch kurz aus der Tür (mit Maske) und mein Mann ist ganz bleich und dann werden wir beide etwas (sehr) laut vor Nervosität. Der Mann ruft den Krankenwagen und fragt nach, wie wir das machen sollen, mit dem positiven Test von mir und Junikind, ob sie mit ins Krankenhaus darf. Darf sie nicht, aber sie soll auch auf keinen Fall zu mir, also dürfen wir ausnahmsweise doch eine Freundin ins Haus holen, die gleichzeitig mit dem Rettungswagen eintrifft.

Die Freundin kümmert sich also um Juni und der Mann fährt mit Petita ins Krankenhaus. Und ich hocke im Zimmer und kann nichts machen. Juni sitzt immer noch schniefend auf dem Sofa und bekommt eine Umarmung von unserer Freundin. Langsam beruhigt sie sich und dann höre ich sie schließlich zusammen spielen.

Dann kommt vom Mann die Nachricht aus dem Krankenhaus, alles gut – aber Petita hat leicht Temperatur und sie würde nochmal eine PCR bekommen. Wer weiß, ob sie sich doch irgendwie bei mir angesteckt hat. Was doof wäre, weil es dann auch Juni haben könnte und die wird ja gerade von der Freundin betreut. Außerdem wurden noch eine Menge anderer Proben gemacht und geröntgt und was weiß ich, aber ein Glück, es ist alles heile geblieben. Sie sollen aber noch zur Beobachtung da bleiben, also bleibt unsere Freundin hier und kocht erst Mittagessen und dann Abendessen und bringt Juni dann noch ins Bett, weil es immer später wird.

Gegen elf kommen Petita und der Mann dann endlich aus dem Krankenhaus zurück. Alles gut, nur das Testergebnis kommt erst morgen. Meine Freundin soll sich duschen und alles waschen was sie bei uns anhatte, wenn sie nach Hause kommt und das wars erstmal.

Wir sind alle ein bisschen mit den Nerven am Ende. Ich, weil ich nichts tun kann, der Mann vom Schock und meine Freundin wegen möglicher Ansteckungsgefahr. So ein Tag war das. Erst als ich im Bett liege, merke ich, wie laut mein Herz klopft und wie angespannt ich bin. Die Nacht wird unruhig.

Tag vier.

Keine Symptome. Vor einer Woche hatte ich den Kontakt und so langsam frage ich mich, ab wann ich mich wieder als “gesund” betrachten kann. Oder wenigstens als nicht mehr ansteckend. Nach zehn Tagen ab Kontakt? Nach vierzehn? Einerseits versuche ich optimistisch zu bleiben, andererseits habe ich Angst, mich in Sicherheit zu wiegen. Wann darf ich eigentlich die Isolation aufheben? Ich vermisse die Kinder und den Mann, da hinter meiner Zimmertür.

Von gestern bin ich immer noch ziemlich k.o. Versuche ein bisschen zu arbeiten, die Kinder spielen den ganzen morgen friedlich und es kehrt ein etwas Ruhe ein. Mittags bekommen wir das negative Testergebnis von Petita und sind erleichtert. Unsere Freundin muss jetzt nicht auch noch in Quarantäne.

Trotz allem versuche ich ein bisschen zu arbeiten, um mich abzulenken. Das klappt so mäßig, weil mir viel zu viel im Kopf herumschwirrt. Eigentlich warte ich nur, dass die Tage vorbeigehen. Ich setze mich in die Sonne auf den kleinen Balkon. Eine Freundin kommt und wir brüllen kurz ein paar Updates über die Strasse, die Nachbarn sind mir jetzt auch egal, die sehen mich ja eh den ganzen Tag hier hocken und der Krankenwagen war auch ein Spektakel gestern.

Abends videotelefoniere ich mit den Kindern, was schön ist. Danach sind sie aber sehr aufgeregt und traurig und todmüde und schlafen vorm Abendessen ein. Wir fragen uns was schlimmer ist, die Isolation oder das Virus. Aber jetzt haben wir bis hierhin durchgehalten. Morgen versuche ich mal herauszufinden, wann ich wieder aus dem Zimmer kann. Die Mädels sind irritiert und verunsichert und ängstlich und ich will die beiden nur noch in den Arm nehmen.

Große Müdigkeit, aber schlafen kann ich trotzdem nicht.

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