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Mein Katalonien: Zwillinge, Mittelmeer und andere Abenteuer

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Zwillinge oder der Verlust der Privatsphäre

Seit der Schwangerschaft haben sich unzählige Menschen in meine und unsere Privatsphäre eingemischt. Es wurde nachgeforscht, ob wir Zwillinge in der Familie haben oder gleich direkt gefragt, ob sie „natürlich“ entstanden sind. Die paar Male, an denen mir aufrichtig zu Zwillingen gratuliert wurde, kann ich an einer Hand abzählen – meistens waren das nette ältere Damen, die mir Alles Gute zu dem „doppelten Segen“ wünschten und für mich „Gesundheit, um die beiden aufzuziehen“.

Bei einer Zwillingsschwangerschaft gibt es zudem unzählige Arztkontrollen. Ständig mussten wir zur Vorsorge. Bei der Geburt wäre ich fast gestorben und war das Krankenhausgespräch. Wir waren eine Woche im Krankenhaus. Alle drei Stunden platzte eine Schwester herein mit den Milchfläschchen für die Babies. Dazwischen gab es Essen, die Babies wurden zum Baden geholt, ich wurde gewaschen, es gab Arztvisite und Schelte von der strengen Kinderkrankenschwester, wenn die Babies ihre Fläschchen nicht ausgetrunken hatten (obwohl ich ja zusätzlich stillte). Nach fünf Tagen konnte ich das erste Mal aufstehen. Wir hatten zwei Stunden lang eine Zimmernachbarin mit ihrem Neugeborenen, während mir gerade die Katheter gezogen wurden. Es gab Besuch von Menschen, die ich kaum kannte (dank der spanischen Familienverhältnisse) und die mich in einem ziemlich desolaten Zustand sahen. Alle wussten, was bei der Geburt passiert war. Gute Freunde hingegen ließen uns erstmal in Ruhe – aus Respekt, um uns Raum zu geben und anzukommen.

Als wir aus dem Krankenhaus kamen, gab es noch ein paar seltsame Besuche mehr bei uns zu Hause, dann war aber Gottseidank Schluss. Mit hatten schon genug fast fremde Leute beim Stillen zugeschaut. Dafür mussten wir bei jedem Spaziergang unsere Babies bewundern lassen. Ein älterer Herr hielt sogar mal im Vorbeigehen den Kinderwagen fest, um sie in Ruhe betrachten zu können. Manchmal wünsche ich mir, in solchen Moment nicht so perplex gewesen zu sein und schneller reagiert zu haben. Viel zu oft hatte ich Angst davor, eine Szene zu machen. Einmal hat eine Frau in „unserem“ Tante Emma-Laden ein Baby aus dem Kinderwagen abgeschnallt und in den Arm genommen, als ich gerade nicht hinsah. Da sie aber auch Stammkundin dort war, habe ich nichts gesagt, sondern ihr das Kind nur wieder aus dem Arm genommen. Noch heute ärgere ich mich darüber, meine Kleine da nicht besser „beschützt“ zu haben.

Als die beiden gerade laufen konnten, wollte eine Frau die beiden unbedingt ihrem Mann zeigen. Sie hatte selbst (etwa zehnjährige) Zwillinge. Wir waren in einem Straßencafé und die beiden taperten zwischen den Tischen herum. Schwupps, hatte die Frau mein Kind auf den Arm und rief ihrem Mann zu, „Schau mal wie süß! Unsere waren auch mal so!“ Wir hatten Freunde mit einem Einzelkind dabei und die waren ebenso verdattert wie wir. So viel Übergriffigkeit hatten sie bei ihrem Sohn nie erlebt. Sicherlich ist es schon so, dass in Spanien Kinder viel mehr getätschelt und gestreichelt werden, aber mit den beiden war es schon extrem. Und wir waren nach der schwierigen Geburt und als Erstlingseltern überhaupt nicht gewappnet dafür, so viel Aufmerksamkeit zu wecken.

Jetzt sind die beiden fast zwei. Die Standard-Frage „Sind das Zwillinge?“ beantworten wir nur noch mit einem müden Nicken und ziehen dann zügig von dannen. Wir erwecken weitaus weniger Aufsehen mit zwei Kleinkindern als mit zwei Neugeborenen und das ist wirklich entspannter. Dafür wird unsere Stillbeziehung jetzt gerne kommentiert („Ach, stillt ihr immer noch?“ oder „Na, bald stillst Du ja bestimmt ab, oder?“). Und es nervt mich schon wieder sehr. Denn es ist für mich immer noch ein großer Unterschied ob ich freiwillig etwas über mich erzähle (wie hier im Blog), oder man mir alles aus der Nase ziehen will. Ein offenes Gespräch kommt so nicht zustande. Nach zwei Jahren kommt es mir immer noch seltsam vor, dass man mit als Schwangere und Eltern von Zwillingen scheinbar Gegenstand öffentlichen Interesses wird. Aber ich nehme mit Erleichterung zur Kenntnis: Es wird besser.

Wie lange willst Du denn noch stillen?

Fast zwei Jahre Stillzeit sind herum und das Stillen hat sich gewandelt: Aus den zwei kleinen Hilflosen Wesen sind zwei selbstständige Persönchen mit einem sehr eigenen Willen geworden. Die Aufregung, das Gehampel und unzählige Versuche, endlich eine gute Position zum Tandemstillen zu finden haben sich in Routine, Geborgenheit und eine verkuschelte Wuselei verwandelt.

Ebenso hat sich die Position meiner Mitmenschen dazu verändert: wurde ich anfangs noch beklatscht (im wahrsten Sinne des Wortes), wird nun immer häufiger gefragt: „Wie lange willst Du denn noch Stillen?“. In den wenigsten Fällen steckt da aber ehrliches Interesse dahinter. Was der Fragende eigentlich sagen will, ist: „Still doch endlich mal ab!“. Und darum beginnt diese Frage mich langsam wirklich zu nerven. Und ich muss aufpassen, dass ich nicht nur aus Trotz weiterstille.

Warum, werte Damen und Herren, ist mein Stillen auf einmal so „interessant“, dass sich so viele Menschen einmischen müssen? Was sollen die hochgezogenen Augenbrauen, wenn ich sage: „Ich weiß nicht, wie lange ich Stillen möchte. So lange es uns gut dabei geht?“ Warum fühlte ich mich anfangs verpflichtet zu erklären, dass ich ja eigentlich nur drei Monate Stillen „geplant“ hatte, weil ich dachte, mit zweien schaffe ich das vielleicht nicht. Dass dann daraus sechs Monate wurden und dann ein Jahr und es immer einfacher wurde?

Dann versuche ich zu erklären, dass ich glaube, wir werden schon den richtigen Zeitpunkt finden. Wenn es mich anfängt zu nerven. Dass ich darauf vertraue, zu spüren, wann es uns gut tut, die Stillbeziehung zu beenden. „Tja, wenn es Dich nicht stört…musst Du ja wissen“ heisst es oft. Genau. Allerdings habe ich das Gefühl, dass es andere stört. Und ich verstehe wirklich nicht warum, für mich ist es etwas so natürliches, selbstverständliches…

Stillgeschichten

Meine spanische Schwiegeroma erzählte mir, ihre Mutter habe sie bei jedem Kind „ermahnt“, weiterzustillen, bis diese zwei Jahre alt waren. „Halte durch“, hieß es, wenn sie jammerte, „das ist das Beste, was Du deinem Kind geben kannst“. Es gibt vor allem im spanischen Bekannten- und Verwandtenkreis mehrere Anekdoten von bereits sprechenden Stillkindern aus verschiedenen Jahrzehnten. Vor meiner deutschen Omi habe ich großen Respekt, dass sie ihre vielen Kinder alle gestillt hat. Das hat bestimmt auch noch mit der damaligen Erziehung zu tun, eine „deutsche Mutter“ musste ja schließlich stillen, aber trotzdem: sie hat das gemeistert. In meiner Familie gibt es viele „Langzeitstillende“, von der Tante bis zur Cousine. Persönlich kenne ich wirklich viele Mütter, die mehr als ein Jahr stillen oder gestillt haben. Untereinander stellen wir uns die Frage nie – sondern hören einander zu, wenn es Probleme gibt, wenn die ersten Abstill-Versuche nicht geklappt haben oder wenn es doch mal wieder eine von diesen Nächten gab, an denen gefühlt dauergestillt wurde.

Unsere Stillgeschichte begann denkbar schwer: Noch auf der Intensivstation wurde mir Milch abgepumpt, als mein Mann erklärte, dass ich stillen wollte. Ob das klappen würde, war nicht sicher. Die Babies bekamen zwei Tage lang Fläschchen, bis ich auf dem Zimmer war und sie das erste Mal anlegen konnte. Dank der Hilfe der lieben Hebamme im Krankenhaus und trotz der unsäglichen Einmischungen der brummigen Nachtschwestern haben wir es geschafft. Immer habe ich den Moment im Kopf, als ich die zwei kleinen Wesen endlich kennenlernen durfte. Die Erstgeborene wich seitdem nicht mehr von meiner Seite. Bloß nicht zu weit weg von der Nahrungsquelle!

Nach zwei Monaten war ich schier verzweifelt, weil beide die Flaschenmilch in hohem Bogen wieder ausspuckten. Aus Mund und Nase kam alles wieder raus! Danach gab es Gebrüll und dann wieder die Brust. Ab und zu mal die Flasche geben zu können, wäre sowohl für mich als auch für meinen Mann eine Erleichterung gewesen.

Als die ersten drei Monate herum waren, wurde es einfacher: endlich konnten sie ihre Köpfchen etwas besser halten und rutschten nicht ständig weg. Wir stillten überall, in Cafés, am Strand, auf einer Bank sitzend. Mit sechs Monaten waren wir echte Stillprofis. Dann fing irgendwann die Beikost an und es wurde etwas weniger und unkomplizierter. Es gab Phasen, wo ich dachte, bald hören sie von selber auf.

Mit der Eingewöhnung im Kindergarten änderte sich wieder alles: Nach den langen Stunden ohne Mama wollten sie vor allem eins – Stillen. Das ist noch immer so. Manchmal nervt es mich, vor allem wenn die beiden meinen, sich das Essen sparen zu können. Manchmal hilft es mir aber auch sehr: Wenn sie krank sind, wenn sie zahnen, beim Einschlafen – Stillen ist immer noch die schnellste Einschlafhilfe.

Trotzdem frage ich mich in letzter Zeit immer häufiger: Vielleicht ist es doch gut, bald mal abzustillen? Brauchen die beiden das wirklich noch oder kann ich nur nicht loslassen? Der Gedanke, nie wieder Stillkinder haben zu können, tut mir weh. Aber das möchte ich nicht an den beiden „auslassen“. Sie werden nicht immer meine Babies sein können und sind es mit fast zwei schon längst nicht mehr. Dann gibt es uns wiederum Momente des zur-Ruhe-kommens und der Geborgenheit und ich habe Angst, ihnen das zu nehmen. Den richtigen Zeitpunkt zu finden scheint mir schwieriger als ich dachte.

 

Die Babies übernachten auswärts. Ein Drama in drei Akten.

Erster Akt: Der gute Plan.

„So“, sagte der Mann, „wollen wir die Babies nicht bald mal eine Nacht bei den Großeltern lassen?“ Wir waren zu einer Hochzeit eingeladen und dachten, jetzt oder nie! – irgendwann ist immer das erste Mal. Schwiegermutter lag uns schon seit Bekanntgabe der Schwangerschaft (sic!) in den Ohren, dass sie die Kleinen auch mal eine Nacht nehmen könnte. Bei ihrer Schwester schlief die Enkeltochter schon, seit diese vier Monate alt war und allerorts sahen wir auf einmal zufriedene Eltern, die sich ab und zu mal eine Nacht alleine gönnten. Also dachten wir: Hey, die zwei sind jetzt über ein Jahr alt, sie stillen nicht mehr alle zwei Stunden und im Kindergarten schlafen sie mittags ja auch ohne Mama ein – lass uns auf der Hochzeit einen drauf machen, ins Hotel gehen und am nächsten morgen minimal verkatert die Babies abholen!

Natürlich mussten wir das vorher mal proben. So oft sehen die beiden ihre Yayos ja auch wieder nicht und falls was sein sollte, wären wir in der Nähe und innerhalb von einer halben Stunde da.

Gesagt, getan. Nach mehreren Monaten (Großeltern und Rentner, die haben ja nie Zeit, wa) hatten wir endlich einen Termin gefunden. Vor lauter Aufregung kabbelten der Mann und ich uns schon Tage vorher, wegen meiner Aussage, dass es mir nicht so leicht fiele, die beiden einfach so abzugeben. Spielte da ein kleiner Anflug von Eifersucht auf meine ungeteilte Aufmerksamkeit mit? Ich denke schon. Schließlich habe ich im Babytaumel den Mann zuweilen grob vernachlässigt, solange er mich beim Stillen nicht mit „Oh Gott, ich brauch Wasser, sofort!“ und „Haben wir noch Schokolade?“ versorgte. Er freute sich auf einen Abend als Paar, während ich mir Sorgen um die Babies machte?! Bei den Großeltern wären sie doch super aufgehoben. Ich hob meine Mama-Instinkt-Augenbraue und sagte nix. „Wenn was ist, können wir sie ja immer noch abholen“ sprach der Mann. Na gut. An besagtem Abend spazierten wir mit den Babies zu den Großeltern. Zufrieden zerspielten sie unter den begeisterten Blicken der Yayos die Wohnung und wir machten uns kurz vorm Abendessen auf den Weg zurück in die Stadt.

Zweiter Akt: Wir schlafen.

Auf dem Weg überlegten wir euphorisch, was wir alles machen könnten. Alle Ideen, die mit lange aufbleiben zu tun hatten, verwarfen wir sofort. Unsere Favoriten waren: Lecker essen gehen oder zu Hause aufs Sofa lümmeln und ein bißchen Eurovision gucken. Wir gingen essen, um die neugewonnene Freiheit auch wirklich gut auszunutzen. Ab und zu warf ich einen Blick aufs Handy. „Meine Eltern werden nicht anrufen, auch wenn sie kein Auge zumachen“, sprach der Mann.

Als wir nach Hause kamen, gab es noch die Punktevergabe von Eurovision im Fernsehen. Wir hielten tapfer durch, bis der Sieger bekannt war. Die Handys blieben still. Schien ja alles gut zu sein, ein Glück! Dann fielen wir todmüde ins Bett. Schön, mal wieder ganz entspannt neben dem Mann zu schlafen. Keine kleinen Tretfüßchen und keine Stillunterbrechungen. Trotzdem wachte ich mehrmals in der Nacht auf.

Am  nächsten Morgen schmerzen meine Brüste wie beim Milcheinschuss und wir haben vier Anrufe in Abwesenheit von den Schwiegereltern. Uhrzeit 2:26, 2:27, 2:32 und 2:38. Dazu eine WhatsApp gegen sechs Uhr morgens: „Allesgut“. Das hört sich genau nach dem Gegenteil an, denke ich und habe sofort ein schlechtes Gewissen. Mist. Wieso habe ich das nicht gehört? frage ich mich und dann fällt es mir ein: Im Restaurant hatte ich das Handy auf lautlos gestellt. Oh nein oh nein oh nein. Wir haben tief und fest geschlafen, und bei Schwiegerelters war Babydrama! Ein Foto von unseren zufrieden essenden Töchtern wird geschickt und beruhigt mich etwas. Puuuuh, das sieht ja ganz gut aus…trotzdem: Kaffee und los, die Babies holen. Mein Körper drängelt auch: Über Nacht hat sich mein Brustumfang verdoppelt und meine Brüste fühlen sich an wie beim Milcheinschuss.

Dritter Akt: Das Wiedersehen.

Unsere Babies sind also nicht diese Wunderkinder, die das erste Mal woanders übernachten und dann plötzlich durchschlafen. Nein, sie sind, wie ganz normale Stillbabies, irgendwann in der Nacht aufgewacht (abwechselnd, gleichzeitig, je nach Uhrzeit) und haben lautstark nach Mamas Brust verlangt. Als sie diese nicht gleich fanden, sind sie nur unter Tränen und Großmütterlichen herumgetrage wieder eingeschlafen, während Großvater das jeweils schlafende Kind bewachte. Auf die Aussagen der Großeltern, wer wann wieviel geschlafen hat, können wir uns nicht verlassen, da meine Schwiegereltern zum Typ: „Die ganze Wahrheit könnt ihr nicht vertragen“ gehören. Angeblich haben die Babies mindestens sechs Stunden geschlafen. Die Großeltern, man sieht es ihren Gesichtern an, gar nicht, auch wenn sie es nie zugeben würden. Wir wissen nur: Wenn es nicht wirklich dramatisch schwierig gewesen wäre, zwei schreiende Babies zu beruhigen, hätten sie niemals versucht nachts um halb drei anzurufen.

Nachdem ich zur Tür reinkam, stürzten sich meine beiden Mädchen erstmal auf mich und tranken, tranken, tranken. Dabei versprach ich ihnen hoch und heilig, sie erst wieder woanders übernachten zu lassen, wenn sie es wollen. Der Mann war etwas geknickt ob des Ausgangs dieses Experiments. Er hatte ja noch ein kleinen Funken Hoffnung gehabt, dass sie vielleicht einfach durchschlafen. Die Schwiegermutter hat sämtliche Übernachtungspläne aufgegeben und findet Stillen jetzt „ganz schrecklich“, mit Fläschchen wäre das ja nicht passiert. Mit dieser Aktion ist mir also gleich noch mein Vorzeige-Status als Stillmama abhanden gekommen. Immerhin weiß ich jetzt, dass ich mich weiterhin am besten auf meinen Instinkt verlasse, und wenn der mir sagt, die Babies sind noch nicht so weit für dieses oder jenes, dann lassen wir es einfach. Und wenn anderer Leute Wunderbabies problemlos irgendwo durchschlafen, dann bleibt mir nur eins übrig: Den Eltern von Herzen ein paar schöne Abende zu zweit zu wünschen.

Et hät noch immer jot jejange!

Diese kölsche Redensart hat mich als alte Rheinländerin das erste Babyjahr begleitet. Egal, durch wie viele schlaflose Nächte und vermurkste Tage wir schlidderten, tief in mir drin wusste ich: Irgendwann geht das auch vorbei. Und dann merken wir, das wir das alles eigentlich total gut hingekriegt haben, für einen ersten Versuch.

„Nach dem ersten Jahr wird alles besser“

Dieses uralte Mantra trugen uns Zwillingseltern (und eigentlich alle Eltern mit Kindern von über einem Jahr) aus dem Bekanntenkreis bereits in Zeiten vor, als wir noch übernächtigt und vollkommen überwältigt von unserem plötzlichen Elterndasein waren. Welterfahren und mit allen Wassern gewaschen standen sie vor uns und warfen uns so ein paar Bröckchen Mut und Durchhalteparolen hin, die wir uns in anstrengenden Momenten immer wieder vorsagten: Nach dem ersten Jahr wird alles besser! Und wenn sie dann erstmal Laufen können! Und sprechen! Und was, zur Schule gehen, ausziehen, zur Uni und eine eigene Familie gründen oder wie?

Aber ja, sie hatten recht. Die Babies hatten ihren ersten Geburtstag und es ist wirklich alles „besser“. Je nach Betrachtungsweise kann das allerdings alles und nichts bedeuten: Sobald eine anstrengende Phase vorbei ist, schaue ich schon mit Herzchen in den Augen zurück. „Ach, war das süß als sie drei (vier, fünf, sechs…) Monate alt waren!“ denke ich, wenn ich andere, kleinere, Babies sehe. Gleichzeitig sehe ich in einem Zustand der Dauerverliebtheit meinen Damen dabei zu, wie sie die Welt entdecken und jeden Tag etwas neues lernen. Wahnsinn, wie viel zwei so kleine Wesen abgucken, anschauen, anfassen (und essen) wollen!

Was soll dieses „besser“ denn nun sein? Erstens sind wir in unser Elternsein hineingewachsen. Sätze wie: „Das sind meine Kinder“ oder „Ich bin Mutter von zwei Kindern“ fühlten sich im ersten Jahr noch ganz fremd in meinem Mund an. Mittlerweile bin ich ganz selbstverständlich Mama und wir vier sind, wirklich und wahrhaftig, eine Familie.

Et bliev nix, wie et wor

Wir haben uns eingespielt, wissen meistens, was zu tun und einzukaufen ist, packen die Wickeltasche im Schlaf und haben immer meistens ein paar Bananen dabei. Wir wissen, durch welche Ladentüren der Doppelkinderwagen passt, wann wir Zeit für ´nen Kaffee haben (und wann besser nicht) und wo die Spielplätze mit den Babyschaukeln sind.

Zweitens lernen wir unsere Kinder jeden Tag ein bißchen besser kennen. Wir staunen darüber, daß so kleine Wesen jetzt schon so verschieden sein können. Wir kommunizieren mit ihnen über Mimik, Laute und Gestik und freuen uns mit ihnen gemeinsam, wenn sie sich uns verständlich machen können. Wir wissen, welche gerne wild herumgewirbelt wird und welche am liebsten allein auf Entdeckungsreise geht. Jeden Tag zeigen sie uns uns ein Stück mehr von sich und entwickeln sich zu willensstarken kleinen Persönlichkeiten.

Drittens haben wir gelernt loszulassen, die beiden machen zu lassen und sie auch mal vertrauensvoll in andere Hände abzugeben. Spätestens seit sie in den Kindergarten gehen, sind wir überzeugt, dass es uns allen gut tut, das Mutter-Vater-Kind-Universum um die liebevollen Erzieherinnen und liebestollen Großeltern zu erweitern. Das Wissen, dass die zwei es auch eine Weile ohne uns aushalten wird uns jeden Tag durch zwei zufriedene Kindergartenbabies bestätigt. Mitzubekommen, wie sie mit anderen Kindern und Erwachsenen interagieren, wie eigenständig sie schon sind und wie sie sich auch anderen verständlich machen können, macht mich wirklich stolz! Und dass sie im Kindergarten auch gleich noch eine dritte Sprache im Alltag meistern, ist etwas ganz besonderes. Unglaublich, dass sie jetzt schon deutsch, spanisch und katalanisch verstehen!

Viertens können sie sich auch mal ein paar Minuten selbst beschäftigen. Zu Hause wird konzentriert gehämmert, Bücher angeschaut, die Puppenkiste ausgeräumt und eifrig „Wäsche sortiert“. Sie sind mobil und holen sich das, was sie gerade interessiert. Sie suchen natürlich noch häufig meine Nähe, wollen gestillt werden oder möchten, dass ich mit ihnen spiele. Nach einer Weile ist es dann aber völlig in Ordnung für sie, wenn ich aufstehe, einen Kaffee trinke oder ein bißchen aufräume. Hinter dem großen oder kleinen Bildschirm zu verschwinden ist allerdings tabu, das mögen sie verständlicherweise garnicht. Laptop und Handy versuche ich aber sowieso so selten wie möglich in ihrer Gegenwart zu benutzen. Wie auch immer, in Punkto Selbstständigkeit hat uns das vollendete erste Lebensjahr ein großes Plus mitgegeben.

Das alles zusammen erleichtert unseren Alltag enorm. Weniger anstrengend ist es dadurch allerdings nicht – aber irgendwie wuppen wir das jetzt. Das wichtigste dabei: Wir müssen nicht alles richtig machen. Und die Kinder erst recht nicht. Wir haben uns von unrealistischen Idealen verabschiedet (vor allem am Esstisch) und lassen die Tage in einer Mischung aus Improvisation und überlebenswichtigen Ritualen auf uns zu kommen. Irgendwie geht´s immer.

Tage, an denen wir uns einfach nur so durchhangeln und versuchen, uns gegenseitig an Müdigkeit zu übertrumpfen, gibt es immer noch. Wenn die Kinder krank sind. Wenn einer von uns einfach nicht mehr kann. Dann kommen wir als Eltern und als Paar an unsere Grenzen. Wir haben uns schon mehrmals gegenseitig zum Teufel (und wieder zurück) gewünscht… Schlecht gelaunt murmeln wir uns dumme Ratschläge zu oder schachern wie zwei Marktweiber um ein paar freie Minuten. Der Mann hat mir schon gestanden, dass er früher nie verstehen konnte, wie sich zwei frischgebackene Eltern trennen können – jetzt könne er es zumindest nachvollziehen. Und auch in meinem Kopf meldet sich ab und zu eine verbiesterte Hexe zu Wort: „Wie, der kann jetzt nicht mehr?! Ha! Da komm ich doch als Alleinerziehende besser klar!“ (Käme ich sicherlich nicht, großer Respekt für alle alleinerziehenden Mütter und Väter!) Manchmal räumen wir auch nur mit grimmigen Gesicht schweigend gemeinsam auf und sparen uns jedes Wort, weil wir wissen: Eigentlich sind wir ja garnicht sauer aufeinander, sondern beide einfach nur todmüde. Dann reißen wir uns noch zu einem „Gute Nacht, mein Schatz“ zusammen und fallen ins Bett. Solche Tage vergehen zum Glück auch 🙂

Jetzt sind wir also selber mit allen Wassern gewaschene und erprobte Zwillingseltern und können allen, die da noch kommen, sagen: „Es wird nicht alles besser, aber alles wird gut!“.

Tschüss, Erwachsenenwelt!

Früher dachte ich großspurig: Also, ich werde sicher nicht zu den Eltern gehören, die spurlos verschwinden, sobald die Babies da sind. Na-ha-ha-hain, ich werde auch mit Babies Teil des Erwachsenenkosmos bleiben. Heute freue ich mich über Babies, die pünktlich im Bett sind – und meistens bleibe ich gleich daneben liegen. Wer hätte gedacht, dass es so verdammt schwierig ist, Kinder in den Alltag zu integrieren – oder eher, den Alltag mit Kindern irgendwie hinzubekommen.

Sobald die Babies da waren (und eigentlich schon in den letzten Schwangerschaftswochen) verließ ich die Erwachsenenwelt und trat ein ins Mama-Rentner-Hundeherrchen-Universum. Während ich die freie Zeit in den letzten Schwangerschaftswochen sehr genoss und voller Vorfreude auf die Babies war, hatte ich doch nicht damit gerechnet, als Mama mit zwei Babies so viel alleine zu sein. Auf einmal hockte ich den ganzen Tag mit den beiden zu Hause und zählte die Stunden, bis der Mann von der Arbeit kam. Nie waren die Tage zäher, dabei flogen die Wochen nur so dahin. Ab und an schielte ich neidisch auf die Einlingsmamis, die mit ihrem Tragebaby mal flugs aus dem Haus waren, während ich noch den Doppelkinderwagen die Treppe hinunterwuchtete.

Unser Leben als Höhlentierchen

Die ersten Wochen mit den Babies sind wir also, wie alle Eltern wahrscheinlich, erstmal untergetaucht. Der Mix aus Schlafmangel, Glückshormonen und Adrenalin hätten alle ernstzunehmenden Gespräche sowieso unmöglich gemacht. Jegliche Aufmerksamkeit wurde von unseren zwei neuen Mitbewohnerinnen absorbiert. Wie alle Säugetiere habe ich mich in dieser Zeit vor allem mit den Babies zu Hause eingemummelt und meine schützende Höhle eher selten verlassen. Der Mann streifte bisweilen auf der Jagd nach Essen durch die Straßen und lungerte übermüdet in Ämtern herum.

Als wir wieder zurechnungsfähig waren, haben wir uns dann mehr und mehr vor die Tür gewagt und zahlreiche sommerlich laue Nachmittage im Café zwei Straßen weiter verbracht. Weiter trauten wir uns am Anfang irgendwie nicht. Die schützende Höhle war im Zweifel durchdringenden Doppelgeschreis in drei Minuten Laufschritt zu erreichen, außerdem gab es dort andere Eltern. Die waren schon richtige Profis und nahmen mir meine anfängliche Still-Schüchternheit. Dank der anderen Stillmamis habe ich mich gleich viel wohler gefühlt. Gegen sieben Uhr abends klatschten wir mit den eintreffenden kinderlosen Freunden kurz ab und gingen nach Hause. Schön war das.

Danach gab es eine Phase, in der wir abends ziemlich oft draußen essen gingen, die Sommernächte waren so warm und die Babies hatten sowieso noch keinen richtigen Schlafrhythmus. So gab es wenigstens ab und zu etwas leckeres zu essen. Unsere Kochkünste haben ja, seit die Babies da sind, rapide abgenommen (es wird aber wieder besser).

Tja, und dann kam dieser ominöse Rhythmus und hat uns Abends nach Hause verbannt. Interaktionen mit anderen erwachsenen Menschen haben sich also weitestgehend auf tagsüber verlagert. Diese beschränkten sich für mich lange Zeit auf ein munteres Zunicken mit anderen Zwillingseltern und Zwillingsphrasendreschen mit „netten älteren Damen“ beim Spaziergang. Darum freue ich mich auf den Sommer, weil sich dann alles Leben wieder nach draußen verlagert und man sämtliche Freunde und Bekannte in den Bars und Cafés oder am Strand trifft, mit oder ohne Kinder.

Zeit für mich

Die Male, die ich während der Baby-Auszeit ohne Babies unterwegs war, kann ich an einer Hand abzählen: Einer Freundin am Computer geholfen, beim Supermarkt, beim Friseur, einmal sommerschön machen bei der Kosmetikerin und einmal duschen, ohne das jemand im Haus war. Jetzt sind die zwei nachmittags im Kindergarten und ich habe die ersten Tage wirklich genossen. Während der Eingewöhnung haben wir uns mit dem Laptop ins Café nebenan gesetzt und das erste Mal in Ruhe einen Kaffee getrunken, zu Mittag gegessen und uns dann auf die Babies gefreut.

Und damit ist diese besondere, ausschließliche Babyzeit auch schon wieder vorbei. Habe ich die Zeit genossen? Ja! Bin ich ein bißchen wehmütig? Ja! Gefühlt habe ich die beiden vorgestern geboren, gestern haben sie sich das erste Mal auf den Bauch gedreht und heute können sie schon fast laufen! Bin ich froh über meine wiedergewonnene Zeit für mich? Auch! Und ich genieße umso mehr die Momente, die ich mit den beiden zusammen bin ♥

Zehn Gebote aus zehn Monaten Zwillingsmama-Dasein

1. Du sollst nicht duschen!

Und wenn, dann kannst Du froh sein, wenn du die Spülung ansatzweise wieder aus den Haaren waschen konntest. Kämmen is jedenfalls nicht mehr, schließlich musst Du zwei Babies mit akuter Mamitis betüdeln.

2. Du sollst neben uns keine anderen Interessen haben

Das ist einfach, weil deine Aufmerksamkeitsspanne vor lauter Hormonen und Stilldemenz sowieso nicht mehr für wirkliche Gespräche oder andere anspruchsvolle Tätigkeiten reicht. Die ständige Müdigkeit tut ihr übriges dazu. Instinkt, übernehmen sie!

3. Gedenke des Schlafes: Halte ihn heilig

Vor allem deinen. Dann den deiner Babies. Der Mann schläft sowieso durch, auch wenn ein schreiender Winzling neben ihm liegt.

4. Fünf Tage wirst Du alleine mit den Babies deine Arbeit tun.

Dann kommen zwei wunderbare Tage, an denen der Mann da ist und alles wird etwas fluffiger. Vor allem kannst Du in Ruhe duschen.

5. Ehre deine Eltern, deine Schwiegereltern, Verwandte, Freunde und Bekannte.

Denn sie bringen sie Dir Essen, Geschenke, helfen beim Wäsche waschen und bestaunen Deine Babies. Längeren Besuch kann man gut für eine Dusche nutzen (mit Spülung UND eincremen!).

6. Du sollst nicht begehren deines nächsten Eis.

Hol dir selber eins. Oder nach was auch immer Dein Stillhunger verlangt. Nie wieder konnte ich so viel essen und dabei abnehmen. Nach zehn Monaten wurden die (saubequemen) Schwangerschaftshosen wieder gegen meine „normalen“ Jeans ausgetauscht.

7. Du sollst deinem Mann hin und wieder ein Lächeln schenken.

Es bricht mir immer noch das Herz, wenn ich daran denke, wie mein Mann mich einmal glücklich anlachte, weil er dachte ER sei gemeint als ich liebevoll in seine Richtung schielte. Er hatte ein Baby auf dem Arm.

8. Sei lieb zu deinem Mann ( nur lächeln reicht nicht).

Er bringt Dir jeden morgen ein Croissant zum Frühstück, hat sich die ersten vier Wochen aufopferungsvoll um dich und zwei Babies gekümmert, bringt den Müll raus, räumt das alltägliche Chaos auf und kocht Dir leckere Tiefkühlpizza. Und selbst wenn er noch so toll mit einem Baby spielt, ist Mama zur Stelle, wird er gnadenlos ignoriert.

9. Du sollst dich an falsche Empfehlungen, dumme Sprüche und nervige Kommentare gewöhnen.

Du wirst sie alle hören, mehrmals: Von „Oh, Zwillinge!“ über „Schlafen sie schon durch?“ bis hin zu „wenn Du sie immer gleich auf den Arm nimmst, gewöhnt sie sich noch dran!“ oder „lass sie im Kinderwagen ruhig mal schreien, sonst nutzen sie das aus und wollen immer gleich wieder raus“ oder oder oder oder oder *augenverdreh

10. Du sollst nicht nach dem verlangen, was Du nicht hast. Sondern genießen, was Du bist.

Eine Zwillingsmama, die das Privileg hat, zwei kleine Wesen gleichzeitig aufwachsen zu sehen. Manchmal denkt man, „jupp, nur ein Baby zu haben muss ja extrem entspannend sein“, vor allem wenn gerade eines schläft. Mütter von Einzelbabies haben mir aber glaubhaft versichert, dass es auch nicht viel flauschiger zugeht als bei uns. Und die bekommen kein doppeltes Lächeln zurück! <3

Und, wie ist es so mit Zwillingen?

Wenn ich das letzte Jahr Revue passieren lasse, fällt mir auf: Das hört sich  unglaublich anstrengend an! Und ja, das war es auch. Vor allem aber ist es ein ganz besonderes Geschenk, zwei Menschen beim Wachsen zusehen zu dürfen. Soviel vorweg.

Als ausgeprägter Morgenmuffel und spontaner Mensch konnte ich mir während der Schwangerschaft kaum vorstellen, dass ich im Babyalltag nichts so sehr begrüßen würde wie einen festen Tagesrhythmus. Der hat sich in den letzten drei Monaten  herauskristallisiert und verschafft mir mehrmals täglich kleine Verschnaufpausen. Den Rhythmus haben sich Babies übrigens selbst ausgesucht – die Idee, „einfach“ mit den Babies unseren bisherigen Alltag fortzuführen, hat sich schon mit Einsetzen der Wehen klammheimlich davongemacht.

Und sonst? Nun jut, man kommt zu nix. Okay, fast nix. Irgendwas bleibt immer auf der Strecke. Duschen oder Schlafen oder Schreiben oder Kochen oder Rausgehen oder nach Hause telefonieren oder Wäsche waschen, falten, wegräumen… Was auch immer im Alltag erledigt werden muss, mehr als zwei Aufgaben nehme ich mir nicht vor. Der Rest vergeht mit Stillen, Babybrei machen (seit neuestem), Wickeln, in den Schlaf begleiten, Babys bespielen und bespaßen. Und dann ist es, zack, fünf Uhr. Und man wollte doch noch. Aber die Babies müssen raus (und ich auch).

Zwei so kleine Wesen brauchen ganz schön viel Aufmerksamkeit. In meinem Kopf sah ich immer zwei satte zufrieden spielende oder vor sich hin staunende Babies vor mir, die eigentlich nur weinen, wenn sie hungrig oder müde sind. Ha. Ha. Ha.

Wenn ich „zu lange“ etwas anderes mache, melden sie sich. Das kann nach fünf oder 25 Minuten so weit sein. Dann ist ihnen langweilig oder sie lernen gerade sich umzudrehen und schaffen es nicht zurück auf den Rücken. Auf einmal dreht man den ganzen Tag Babies auf den Bauch oder auf den Rücken, reicht diese Rassel oder jene und fängt so spontan an zu singen wie ein Hauptdarsteller im Musical. Währenddessen hofft man, beiden in etwa die gleiche Aufmerksamkeit zu schenken und die Kuscheleinheiten gerecht zu verteilen – puuuuuh.

Ein Höllenritt oder Die ersten zwei Monate mit Zwillingen

Zum Glück hat die Natur es so eingerichtet, dass man nach der Geburt noch ziemlich lange auf einer Welle von Glückshormonen und Adrenalin dahinrauscht. Keine Ahnung, wie man die erste Zeit mit den Babies sonst überleben soll. So in etwa stelle ich mir vor, einen Marathon zu laufen und zu gewinnen. Jeden Tag.

Durch den Kaiserschnitt und den hohen Blutverlust war ich die ersten Wochen ziemlich wackelig auf den Beinen. Meistens lag ich mit ein bis zwei nuckelnden Babies auf dem Sofa. Ab und an schliefen sie in ihrem Stubenwagen (a.k.a. Kinderbett auf Rädern, weil da beide reinpassten), aber am liebsten lagen sie auf oder an mir.

Als wir frisch zu Hause waren, behielten sie zunächst ihren Krankenhaus-Rhythmus bei. Das hieß alle drei Stunden wickeln, trinken, weiterschlafen. Das Vertrauen, dass die Babies schon selber wissen, wann sie Hunger haben, kam erst mit der Zeit. Auch die Schlafgewohnheiten änderten sich nur langsam. Anfangs legten wir sie jede Nacht zusammen in ihr Bettchen. Sie zum Stillen jedesmal herauszuholen, hat mich schnell genervt und uns alle viel Schlaf gekostet. Also haben wir nach einiger Zeit eine Seite vom Kinderbett entfernt und es hochprofessionell mit Kabelbindern an unserem Bett befestigt. Bis heute liege ich so nachts zwischen den beiden und muss mich zum Stillen nur in die eine oder andere Richtung drehen.

Der Mann ging nach fünf Wochen wieder voll arbeiten. Also googelte ich tagsüber verzweifelt Dinge wie „Alleine mit Zwillingen, wie organisiere ich mich?“. Das Internet schwieg. Durch die Anfangszeit muss man wohl einfach durch. Oft blieb ich mit den beiden einfach so lange es ging im Bett und stümperte mich dann irgendwie durch den Nachmittag.

Von anderen Eltern bekamen wir Mut zugesprochen: „Jetzt seit ihr im Auge des Sturms. Noch ein bißchen durchhalten und alles wird besser.“ Und das wurde es. Wöchentlich! Anfangs zogen sich die Tage unendlich – und die Monate flogen nur so dahin. Wir spielten uns als Familie ein und aus den Säuglingen wurden Babies. Sie fingen an zu lächeln, zu schauen, das Köpfchen zu heben, zu greifen und sich zu drehen.

Helfer willkommen!

Die erste Woche zuhause war meine Mutter da und half, wo sie konnte. Essen kochen, aufräumen, einkaufen. Nicht sehr dankbare Aufgaben für eine frischgebackene Omi, aber ich und die Babies waren nach der anstrengenden Zeit im Krankenhaus im Dauerkuschel-Schlaf-Still-Modus und wollten nichts außer Zusammensein.

In den folgenden Monaten hatten unsere Besucher mehr Babyspaß, nichtsdestotrotz war die beste Hilfe ein frisch gekochtes Essen. Nie haben wir schlechter gekocht und gegessen als in den ersten Babymonaten. Gemeinsam zu essen war am Anfang fast unmöglich. Wie oft war das Essen fertig und die Babies hungrig! Abendessen nachts um zwölf? Mehr als einmal passiert. Bis heute schlafe ich oft mit den Babies ein und werde vom Mann zum Abendessen geweckt.

So tagträumte ich bisweilen von einem täglich frischen Häppchen-Buffet im Wohnzimmer, wo ich mir nur im Vorbeigehen was schnappen müsste. Leider lief es viel zu oft auf halbverbrannte Tiefkühlpizza und lasche Pasta mit Tomatensauce hinaus.

Mittlerweile sind aus den beiden zwei sehr soziale Wesen geworden, die sich gerne von Omas und Opas, Tanten und Onkeln beknuddeln und bespaßen lassen. Auch für die Kinderwagengucker bei unseren täglichen Spaziergängen ist oft ein Lächeln drin. Diese Kontaktfreudigkeit nutzen wir natürlich schamlos aus und überreichem dem glücklichen Gegenüber gerne ein Baby, um in aller Ruhe einen Kaffee zu trinken oder zu essen.

Mit Zwillingen allein zu Haus

Als Zwillingsmama habe ich eines sehr schnell gelernt: Gelassenheit. Das bedeutet, mich nicht von jedem Quaken aus dem Konzept bringen zu lassen. Sich einzugestehen, dass ich nicht immer beiden gerecht werden kann. Auszuhalten, dass ein Baby weiter weint, während das andere gestillt wird oder gerade einschläft. Zu lernen, beide gleichzeitig zu beruhigen (oder zumindest abzulenken). Ein selig schlafendes Baby aus dem Arm zu legen, weil das andere auch hungrig ist. Im Zwillingsalltag gibt es Unmengen solcher Momente. Das kann einem das Herz brechen. Am liebsten würde man sich zweiteilen, statt sich ständig zu fragen: Welches Baby braucht mich jetzt mehr?

Es gibt Tage, an denen ich mittags im Pyjama auf dem Boden sitze und die Babies auf meinem Schoß wippe. Es gibt Tage, an denen sie ein kleines Nickerchen machen und ich duschen kann. Und dann gehen wir eine Runde raus, weil das Wetter so schön ist. Dann gibt es Brei und irgendwie ist es schon wieder so spät und ich habe selber noch nichts gegessen. Es gibt Tage, an denen sie einfach nicht einschlafen wollen, obwohl sie selbstverständlich todmüde sind. Das einzige was mir hilft, ist ein fester Rhythmus – und die Disziplin, diesen einzuhalten. Angefangen haben wir damit etwa ab dem vierten/fünften Monat, wirklich rund läuft es hier erst seit ein paar Wochen. Und immer noch kann ein zu spät gemachter Brei mir den ganzen Tagesablauf durcheinander bringen.

Dazu muss ich sagen, die Babies sind jetzt acht Monate alt und in einer für mich sehr komfortablen Phase. Sie sind groß genug, um sich eine Weile selbst zu beschäftigen und beweglich genug, um an ihr Spielzeug heranzukommen. Und auch wenn eine mittlerweile kreuz und quer durchs Wohnzimmer wuselt, bin ich zum Glück immer noch schneller. Für mich bedeutet das, ich kann in Ruhe meinen Kaffee trinken. Naja, fast. Es wird sicher nicht mehr lange dauern, bis ich hier mit zwei in verschiedene Richtungen krabbelnde Babies sitze, die ich vor ungeahnten Gefahren bewahren muss.

Allen zukünftigen Zwillingseltern möchte ich an dieser Stelle herzlich gratulieren (das machen viel zu wenige)! Das schafft ihr!

Tagebuch: Morgen Kinder, wird´s was geben…

Heute war so ein Nachdenke-Tag. Weihnachten nähert sich mit Riesenschritten, es steht im wahrsten Sinne vor der Tür und die Woche ist viel zu schnell vergangen, wie immer. Vor ein paar Tagen haben wir einen neuen kleinen Menschen in unserer Familie willkommen geheißen. Und zack, da war sie, die Nachdenklichkeit. Was mir heute alles durch den Kopf geschwirrt ist!

Erstens habe ich daran gedacht, dass ich mir früher immer ausgemalt habe, wie meine Kinder und die meiner besten Freundin und Cousinen genau wie wir als Nachbarskinderbande die Gegend unsicher machen. Jetzt sind wir alle in anderen Städten und Ländern und es stellt sich die Frage, ob sie überhaupt jemals wirklich befreundet miteinander sein werden.

Die Babies sind heute wie immer so gegen acht aufgewacht, der Mann hatte noch Zeit, sie zu wickeln (juhu!) und ich konnte fünf Minuten weiter dösen. In den letzten Tagen ist Junibaby plötzlich nachts um vier aufgewacht und war eine Stunde wild am wippen, da half nichts außer aufstehen und im Arm herumtragen, bis sie einschlief. Wir sind also etwas müder als sonst und schieben es, wie alle unerklärlichen Nöligkeiten der Babies, auf das Zahnen. Naja, Zahnen oder Wachstumsschub, wobei sie so gesehen schon seit Monaten dauerzahnen und dauerschuben, das ist ja auch nicht realistisch, aber was soll´s, irgendwas wird´s schon sein.

Erstmal Kaffee und ein bißchen spielen, was im Moment bedeutet, die Babies aus womöglichen Gefahrenzonen wegtragen und Papierfetzen aus dem Mund holen. Dann gibt es Obst, welches unter mäßiger Begeisterung zermatscht und gegessen wird. Bei den kleinen Mengen fragt man sich ja schon, ob das auch wirklich reicht an Essen. Also google ich ein bißchen zu BLW und Beikost herum und bin wieder beruhigt. Solange ich weiterhin stille, scheint alles in Ordnung zu sein.

Nach einem kurzen Nickerchen gehen wir duschen, also ich, und die zwei staunen dazu. Für meine tägliche One-Man-Show sind die beiden sowieso ein sehr dankbares Publikum. Aber bloß nicht trödeln, sonst werden sie ungehalten! Ein abwechslungsreiches Programm wird gewünscht! Haare kämmen wird mit großen Augen beobachtet, außerdem gibt es heute „Das große Wäscheaufhängen“ und „Fegen“ im Programm.

Danach gibt es Mittagessen für alle und Siesta im Kinderwagen. Jacken anziehen ist blöd, aber sobald ich die Haustür aufmache, freuen sich beide und schlafen sogar bald ein. Wir drehen eine Runde am Strand. Bei Palmen und Meer kommt mir das letzte Fitzelchen Weihnachtstimmung abhanden, dabei ist in der Stadt fein dekoriert, aber es ist einfach nicht kalt und dunkel genug. Außerdem fehlen mir Poffertjes, Glühwein und gebrannte Mandeln. Eigentlich komisch, dass sich das mit der weißen Weihnacht so durchgesetzt hat, schließlich ist Bethlehem ja auch kein verschneites kleines Bergdorf. Die Krippen hier sind so gesehen viel realistischer, da reiten die heiligen drei Könige durch eine Art Wüste und Palmen gibt es auch.

Der Tag rast so vorbei, ich bin aufgeregt, weil wir noch packen müssen, die Geschenke sind natürlich noch nicht fertig gebastelt und morgen früh geht es schon zum Flughafen. Wie immer läuft kurz vor den Feiertagen das Handy heiß und ich verabschiede mich gedanklich von einer besinnlichen Weihnachtszeit. Es wird wie jedesmal der Versuch werden, alle lieben Menschen unter einen Hut zu bringen und am Ende hat man das Gefühl, für keinen so richtig Zeit gehabt zu haben. Oder man hat sich wirklich Zeit genommen und dafür nicht jeden getroffen, den man das Jahr über so vermisst hat. Man kennt das ja.

Dazu kommt noch der ganz normale Weihnachtskoller, den ich jedes Jahr bekomme. Wer und was sich da alles immer zusammenrauft und zusammenbraut ist filmreif. Muss das so? Ist das einfach der ganz normale Wahnsinn?

Die Babies schreien und nörgeln sich durch den Nachmittag, heute ist es wirklich ein Zahn, da ist was spitziges zu ertasten. Die andere heult empathischerweise gleich mit, beide sind anhänglich und wollen auf den Arm, also verbringe ich wertvolle Koffer-Pack-Stunden kinderliedersingend auf dem Boden sitzend.

Schwägerin und Schwager kommen noch zum Verabschieden vorbei, der Mann ist das erste Mal über Weihnachten mit in Deutschland, was mich sehr freut – aber auch sehr nervös macht. Ich hoffe, er fühlt sich wohl. An den eigenen Familienwahnsinn ist man ja gewöhnt, aber so ein Schwiegerfamilienwahnsinn in einem anderen Land ist eine ganz andere Nummer (ich spreche da aus Erfahrung). Zwischendurch frage ich mich, ob die Option „einsame Berghütte zu viert“ noch umzusetzen ist, dann denke ich: Augen zu und durch. Wie jedes Jahr wird es schon werden, das Essen wird schmecken, der Baum fachgerecht aufgebaut, geschmückt und beleuchtet sein und die Weihnachtslieder lassen sich wunderbar schief singen.

Und dann schlafen die Babies endlich, wir essen Tiefkühlpizza und packen zu viel Zeugs ein und tja, irgendwie musste ich diesen Tag noch loswerden. Jetzt aber ins Bett, morgen früh um sechs geht es los und Fliegen mit zwei siebenmonatigen Babies ist eine weitere Herausforderung. Also, gute Nacht und Frohes Fest!

Alles doppelt gemoppelt? Welche Sachen wir für die Zwillinge im ersten halben Jahr wirklich gebraucht haben

Wichtig war uns von Anfang an: Bloß nicht zuviel Babykram! Wir wollten nicht im Bälleparadies leben, sondern nur Sachen haben, die wir wirklich gebrauchen können. Das hat nicht 100% funktioniert. Ha, wie auch?! Alle wollten gerne etwas für die Babies schenken und nach dem hundertsten „Was braucht ihr denn?“ gingen uns die Antworten aus. Was rede ich da! Nach dem fünften. Da wir noch vollkommen neu im Eltern-Business waren, hatte uns die Frage schon zu Beginn der Schwangerschaft Kopfzerbrechen bereitet. Als endlich der berühmte Nestbau-Trieb einsetzte, durchstöberte ich das Internet nach Tipps und stellte mir eine Liste für die Grundausstattung zusammen. Dazu gab es noch eine Sektion „Nice to have“, auf der ich alles sammelte, was mir unterwegs so in den Sinn kam.

Viele hatten andererseits „Angst“, was falsches oder schon vorhandenes zu schenken. Immer wieder überlegten wir, was wir uns brauchbares wünschen könnten. Das war gar nicht so einfach! Denn, und das hat sich in diesem ersten halben Jahr mit den Zwillingen bestätigt: Babies brauchen nicht viel. Solange Mama, Milch, was zum Anziehen und Windeln da sind, ist alles in bester Ordnung. Mama braucht dann noch Papa oder einen sonstigen Helfer, genügend zu essen und mentale Unterstützung. Wenn das soweit passt, gibt es allerdings schon noch ein paar Dinge, die den Alltag mit Zwillingen erleichtern.

Was ziehen die Babies an?

Welche und vor allem wie viele Anziehsachen unsere Babies brauchen, habe ich nie herausgefunden. Wir haben aus reinem Spaß an der Freud‘ zwei Sets Neugeborenenkleidung gekauft, um die Babies auch mal schick zu machen. Das waren ein Body, eine Mütze, zwei Strampelhosen und zwei Jäckchen pro Baby. Das wars. Der Rest kam aus einer Riesenkiste an Babysachen, die hier im Bekanntenkreis die Runde macht, eine zweite Kiste hat mir eine Freundin aus Deutschland geschickt (dankeschöööön!). Da war von allem genug dabei. Wir hatten und haben mehr als genug und haben viele Sachen garnicht benutzt. Trotzdem habe ich mich (entgegen meiner Befürchtungen) über geschenkte Babyklamöttchen gefreut. Ab und zu will man seinen Süßen einfach was schönes Neues anziehen! Mal sehen, wie wir die nächsten Monate klamottenmäßig über die Runden kommen, so langsam verebbt die Kleiderflut.

Was war meine Rettung?

Um den Alltag mit Zwillingen zu meistern, haben mir vor allem zwei Dinge geholfen: ein Tragetuch (Boba Wrap) und eine Federwiege. Beide stammen aus dem oben genannten Elternfundus und waren ein Segen für mich. Klein Petita hatte ich in den ersten vier Monaten so oft es ging im Tuch. Da fühlte sie sich am wohlsten und schaute zufrieden in die Welt. Leider konnte sie nicht den ganzen Tag da drin bleiben, schließlich wollte ihre Schwester ja auch zwischendurch stillen oder getragen werden. Das war ein ganz schönes Gewickel! Trotzdem hat es mir sehr geholfen.

Die Federwiege wurde fast vollständig vom Junibaby belegt. Sie schläft bis heute am liebsten sanft wippend darin ein – ideal für den Mittagsschlaf! Wir haben sie strategisch geschickt über dem Sofa platziert, so kann ich Petita auf der Chaiselongue in den Schlaf begleiten und mit einer Hand die Zwillingsschwester wippen.

Im heißen spanischen Sommer war es nie besonders schön ein Stillkissen zu benutzen, wer legt sich schon bei 36 Grad gerne ein dickes Kissen um den Bauch? Wenn beide Babies lauthals brüllen, hilft jedoch nur Tandemstillen und dafür ist so ein Kissen schon hilfreich. Die ersten zwei Monate habe ich dazu ein normales Stillkissen zusammen mit ein paar Sofakissen benutzt. Das war ziemlich nervig, ständig ist ein Kissen oder ein Baby verrutscht. Schließlich haben wir uns das Zwillingsstillkissen von CorpoMed bestellt. Tandemstillen ist für mich immer eine Notlösung geblieben, so Babies bewegen sich ja auch und haben verschiedene Lieblingspositionen. Trotzdem war das Kissen ein echter Helfer in der Not. Mittlerweile dient es uns als äußerst gemütliches Aufm-Sofa-abhäng-Kissen und man kann außerdem gut ein Baby dazwischensetzen. Der Kauf hat sich also mehrfach gelohnt.

Was haben wir bisher wenig gebraucht?

Die Milchpumpe habe ich ungefähr dreimal benutzt. Zwei Babies trinken ja schon häufig; gerade am Anfang hätte ich nicht gewusst, wann ich denn nun auch noch Milch abpumpen soll. Die paar Male, die es geklappt hat, waren dann auch etwas frustrierend, denn keins der Babies wollte aus der Flasche trinken. Doof. Jetzt finden sie Fläschchen (mit Wasser) aber recht spaßig. Vielleicht kommt das mit dem Milchabpumpen ja noch?

In der Hektik des Nachhausekommens hatte der Mann außerdem einen Fläschchenwärmer und einen Sterilisator für die Mikrowelle gekauft. Letzteren haben wir so lange benutzt, bis ich eines Tages übermüdet die Mikrowelle zweimal hintereinander angestellt habe und der O-Ball zusammen mit den Schnullern darin geschmolzen ist. Seitdem reicht uns Wasser und etwas Seife. Einen neuen O-Ball haben wir auch nicht gekauft (sie waren immer so wütend, weil sie nicht reinbeißen konnten).

Womit spielen die Zwillinge?

In den ersten Monaten war ein Mobilé natürlich der Hit. Das staunten sie dann an. Als sie etwa drei Monate alt waren, haben sie zwei kleine Spieluhren geschenkt bekommen, die lieben sie bis heute. Wenn sie quengelig sind, kann man sie damit super ablenken. Die kleinen gelben Kästchen werden mittlerweile genauestens untersucht und benuckelt.

Wir hatten eine Spieldecke mit Bogen, die ich einmal monatlich rausgeholt habe, bis sie mit fünf Monaten endlich Interesse an den daran baumelnden Sachen zeigten und anfingen, danach zu greifen. Heute benutzen wir die Decke ohne den Bogen, von den Sachen die daran hingen, finden sie immer noch einen kleinen Spiegel und eine Rassel interessant.

Generell ist jetzt alles toll, was Geräusche macht. Die Lieblingsrassel ist seit zwei Monaten ein langweilig aussehender einfacher Holzring von Grimm´s (mit drei kleineren Ringen dran), auf dem man auch noch schön herumbeißen kann. Kuscheltiere und Doudous werden kurz angelutscht und dann liegen gelassen, die warten noch auf ihren großen Moment. Ansonsten mögen sie Fingerspiele und lieben Alltagsgegenstände – alles was Mama und Papa in der Hand haben, hätten sie auch gerne.

Aktuell mögen sie eine Tupperdose mit klappernden Wäscheklammern drin, einen leeren Fünf-Liter-Wasserkanister (das Leitungswasser hier schmeckt nicht), meine Hausschuhe und alte Zeitschriften. Das mit den Zeitschriften ist so eine Sache, weil sie die am liebsten essen, aber solange ich in der Nähe bin, lasse ich sie ein bißchen damit herumwurschteln.

Was ist sonst noch praktisch?

Aus Deutschland habe ich mir zur Geburt bunte Spucktücher gewünscht, die findet man hier kaum. Die hatten wir vier Monate ständig im Einsatz, heute dienen sie häufiger zum „Kuckuck“ spielen.

Wir haben zwei Babywippen, die wir eine Weile zum Brei essen benutzt haben. Vor ein paar Tagen haben wir zwei TrippTrapps aus zweiter Hand ergattert, seitdem essen wir mehr oder weniger gemeinsam. Die Babywippen benutze ich immer nur kurz, so kann ich zum Beispiel „in Ruhe“ duschen und dabei ein Auge auf die Babies haben.

Tja, und das war es dann auch. Ich bin gespannt was die nächsten Monate bringen. Sie können sich ja jetzt immer besser vom Fleck bewegen und werden immer neugieriger – wer weiß, welche Hilfsmittel und Tricks dann unsere Rettung sind?

Die erste Woche mit Zwillingen – ein Rückblick

Als die Zwillinge gerade geboren waren, und alles neu, schlaflos und aufregend war, hat es uns jeder gesagt: Die Zeit vergeht so schnell, genießt es! Wir haben es genossen und genießen es noch immer, aber ich muss sagen: Die ersten zwei Monate waren verdammt anstrengend. Wir mussten uns aneinander gewöhnen und versuchen, den Alltag zu meistern.

Irgendwann um den dritten Monat herum wurde es auf einmal leichter: Mehr Schlaf, mehr Routine, mehr Gespür füreinander. Jetzt sind die Zwillinge längst keine winzigen Säuglinge mehr, sondern richtige Babies. Und ja, die Zeit ist so! schnell vergangen! Wie immer, wenn die Babies einen kleinen Geburtstag haben, erinnere ich mich an die erste Woche zu viert…

„La Bessonada“

Auf die schwierige Geburt folgten anstrengende Wochen. Davon war die erste sicher die schwierigste. Zwei Tage lag ich auf der Intensivstation und konnte meine Babies nur auf den Fotos sehen, die der Mann mir zeigte. Die ersten zwei Tage in ihrem Leben habe ich verpasst. Es gab keinen kuscheligen Stillbeginn mit Haut-an-Haut-Kontakt, sondern Fläschchen für sie und Milchpumpe für mich. Der Mann pendelte zwischen mir und den Babies hin und her und hielt meine Familie und die beste Freundin in Deutschland auf dem Laufenden. Erst nach 36 Stunden, als er wusste, dass ich außer Gefahr war, konnte er etwas schlafen.

Aber die Babies mussten ja auch versorgt werden! Alle drei Stunden kamen die Kinderkrankenschwestern und brachten die Fläschchen. Die Großeltern und Tanten kamen, um zu helfen. Währenddessen wartete ich darauf, endlich meine Mädchen in die Arme zu schließen.

Bekannt als „La Bessonada“ waren wir fester Bestandteil des Krankenhaustratsches (das katalanische Wort für Zwillinge ist bessons, also könnte man den Begriff grob mit „die Zwillingerei“ übersetzen). So eine dramatische Geburt, die Mutter immer noch auf der Intensiv und die zwei Neugeborenen mit dem Vater auf der Kinderstation, das spricht sich herum.

Alle nahmen Anteil, von der Putzfrau bis zum Oberarzt. Die Kinderkrankenschwester kam zu mir, um nach der „Mami von den zwei Schönen“ zu schauen und zu sagen, dass es ihnen gut geht und sie auf mich warten. Die Hebamme, welche mich bei der Geburt begleitet hatte, schickte eine Freundin vorbei, die gerade Dienst hatte (sie selbst kam bei ihrem nächsten Dienst natürlich auch). Die Ärztin, die den Kaiserschnitt gemacht hatte und der Arzt, der mich durch die letzten Wochen der Schwangerschaft betreut hatte, kamen natürlich. Alle waren sehr herzlich und liebevoll und machten uns Mut.

Eine schrecklich schöne Woche

„Ein Mann hätte das nicht geschafft. Aber diese frischgebackenen Mütter haben etwas in sich…“ sagt der Arzt, als er mich endlich von der Intensivstation entlässt. Ob es wirklich geholfen hat, dass ich meine Babies noch einmal kurz sehen konnte, bevor die Narkose wirkte? Am Nachmittag des zweiten Tages darf ich jedenfalls endlich zu ihnen. Ein Pfleger schiebt mich im kollernden Bett durch die Flure zum Aufzug. Ich bin aufgeregt und nervös. Als wir ins Zimmer kommen, wartet mein Mann auf mich. Die Babies werden gerade gewogen und gebadet. Im ersten Moment bin ich etwas enttäuscht und unruhig, dann hören wir schon Geschrei und die klappernden Bettchen im Flur.

Kamen beide gleichzeitig herein oder nacheinander? Ich weiß nur noch, daß ich ziemlich schnell beide an der Brust hatte und meine kleine Erstgeborene seit dem Moment nicht mehr von meiner Seite wich. Die erste Nacht mit den beiden habe ich fast nicht geschlafen, so aufgeregt war ich. Ständig musste ich diese kleinen Wunderwesen betrachten und bestaunen.

Die weiteren Tage im Krankenhaus waren irgendwie schrecklich, absurd und wunderschön. Schrecklich, weil ich überall Schläuche hatte, die Narbe schmerzte und ich mich kaum bewegen konnte. Ständig musste mir jemand die Babies anreichen und mir helfen, mich in Stillposition zu bringen. Mich schmerzte, dass ich nicht die Kraft hatte, die beiden selber zu wickeln, auch wenn das Papa, die Krankenschwester oder die Tante super erledigt haben.

Eigentlich wollte ich nur mit den beiden alleine sein, stattdessen gab es im Krankenhaus-Alltag kaum Ruhepausen. Alle drei Stunden Fläschchen, dazwischen Visite für mich, für die Babies, Frühstück, Babies wiegen und baden, waschen und Medikamente für mich, netter (und weniger netter) Besuch, Mittagessen, wickeln…so ging es Tag und Nacht weiter. Dazu schwitzte ich vor mich hin, die Sonne knallte ins Zimmer und man konnte die Fenster nicht öffnen. Also alles andere als schön.

Absurd, weil einige Situationen so doof waren, dass wir nur noch ungläubig lachen konnten. Es gab sehr nette Kinderkrankenschwestern (meistens die jungen) und die abgebrühten Nachtschwestern alter Schule mit ruppigem Griff und strengem Gesicht. Mit letzteren stritten wir uns, wenn die Babies ihre Fläschchen nicht ausgetrunken hatten – obwohl ich ja bereits stillte. Die andere Mutter, die für zwei Stunden das Zimmer mit uns teilte: Drei Neugeborene und zwei Elternpaare in einem Raum, dazu mein desolater Zustand und Besuchszeit. Grauenhaft! Am Nachbarbett eine frischgebackene Oma und eine von der Geburt erschöpfte Mama, während ich noch nichtmal alleine auf Toilette gehen kann. Stichwort Bettpfanne. Mehr muss man nicht sagen. Sämtliches Pflegepersonal hat sich bei uns (und sicher auch bei ihr) entschuldigt, als sie später auf ein freies Zimmer verlegt wurde. Das war definitiv der Tiefpunkt. Es war so dermaßen blöd alles, dass wir irgendwann nur noch darüber lachen konnten.

Wunderschön. Da waren meine Babies, der Mann und ich, alle vier. Gesund und froh, zusammen zu sein. Trotz des ganzen Trubels um uns herum hatten wir ab und zu Momente, in denen die Zeit kurz still stand. Ein leises Gespräch mit den schlafenden Babies auf dem Arm. Die Stunde am frühen Morgen, bevor der Tag losging. Der Mann, der jede Nacht auf dem unbequemen Krankenhaussessel neben mir schlief. Das hat uns durch die ganze Woche getragen und begleitet mich noch heute.

Home sweet Home

Und dann, ganz plötzlich wurde ich entlassen, wirklich, von einem Tag auf den anderen. Erst einen Tag vorher hatte ich das erste Mal wieder geduscht und ein paar Schritte gemacht. Und dann hieß es: Wenn du bereit bist, könnt ihr nach Hause. Nichts wollte ich lieber. Endlich raus aus dem Krankenhausbett mit der Plastikmatratze, dem muffigem Zimmer und bloß weg von den Nachtschwestern mit ihren Alle-drei-Stunden-Fläschchen. Trotzdem ergriff uns Panik: Hatten wir alles zu Hause, was wir brauchten?

Während meine Schwägerin mir half, unsere Sachen zu packen, raste der Mann in die Stadt um den Windelvorrat aufzustocken und unsere Ankunft vorzubereiten. Den Weg zum Auto und nach Hause schaffte ich nur mithilfe von drei zuckerigen Limonaden und vielen Pausen, so wackelig war ich auf den Beinen. Im Nachhinein betrachtet klingt es etwas irre, aber in dem Moment wollten wir so schnell es geht heim. Dort erwartete uns das Chaos. Eine Woche vorher waren wir stürmisch Richtung Krankenhaus aufgebrochen und hatten alles stehen und liegen lassen. Dazwischen war der Mann nur zum Duschen und Babysachen holen hergekommen.

Tja, da saßen wir nun, zwischen Windelpaketen und Krankenhaustasche, mit den beiden winzigen Babies im Arm. Und atmeten auf.

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