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Mein Katalonien: Zwillinge, Mittelmeer und andere Abenteuer

Month: September 2017

Mein Senf: Mein Baby, dein Baby

Bisher dachte ich irgendwie, dass fast alle Eltern mit ihren Babies in etwa so umgehen wie ich (ähem) und wie ich es von meinen Freunden und Familie kenne: Wenn ein Baby schreit, schaut man was es hat (Hunger? Pipikaka? Müde? Auf den Arm? Langeweile?) und dann macht man halt eben dieses oder jenes, Baby hört auf zu schreien und gut is. Unsere Babies schlafen bei uns im Bett, werden gestillt, viel getragen und ja, das war es eigentlich auch schon.

Dann las ich den ein oder anderen Blog und lernte, dass das einen Namen hat und eine Art Philosophie dahinter steckt. Attachment Parenting. Na gut, gebt dem Ding einen Namen. Und da steckt sicher noch viel mehr hinter, als ich hier so flapsig ausgedrückt habe. Lasst uns darüber diskutieren, meinetwegen. Trotzdem hat sich mir die Diskussion nicht erschlossen: Warum sind da alle dafür, dagegen, wer macht es richtig, wer falsch? Ahnungslos, wie ich war, dachte ich, naja, NATÜRLICH gehe ich auf die Bedürfnisse meiner Babies ein und versuche sie zu erkennen. Das ergibt sich ja irgendwie von selbst. Machen doch auf die ein oder andere Weise alle so. Warum wird da so viel diskutiert?

Bis letzten Sonntag, auf einem Familienfest. Ich hoffe immer noch, dass die andere Mutter, die mit ihrem drei Monate altem Baby dort war, einen schlechten Tag hatte oder besonders cool rüberkommen wollte. Vielleicht war sie auch einfach zu schüchtern, um etwas zu sagen. Aber, was soll ich sagen, ich habe NOCH NIE eine Mama mit so wenig Draht zu ihrem Kind gesehen. Es tat mir im Herzen weh, dieses kleine Wesen zu sehen, dass so offensichtlich nach Nähe und Schutz suchte und stattdessen von einem Arm zum nächsten wanderte. Dazu wurde noch kommentiert: „Also, die beruhigt sich ja wirklich nur auf Papas Arm, haha!“ Haha? Das arme Kind schrie fast das ganze Essen durch.

Dazwischen gab es Spaziergänge im Kinderwagen (damit sie einschläft) und Fläschchen. Ja, und wer gibt das Fläschchen? Die Großtante, die das Baby noch nie gesehen hatte. Statt zu trinken, schrie die Kleine weiter und wurde immer nervöser, während Tantchen versuchte, ihm den Nuckel in den Mund zu stopfen. Die Mutter saß ein paar Stühle weiter und sagte nichts, stattdessen griffen der Mann und ich irgendwann an ein und meinten, „wenn ein Baby so weint, kommt es am besten zur Mama, oder?“.

Also kommt das Kind zu seiner Mama. Diese versucht ein paar Minuten weiter, dem schreienden Baby die Flasche zu geben, es lässt sich aber nicht beruhigen. Das Kind wird an den Vater gereicht, es trinkt wieder nicht, von dort geht es zum Opa, da trinkt es auch nicht… „Die hat ja gar keinen Hunger!“ lautet die Diagnose am Tisch. Das Baby schreit weiter und ich fragte mich langsam, wie lange das Gehampel noch weitergehen soll.

Zum Glück kam an dieser Stelle die Oma ins Spiel, die sich das Baby griff und eine Weile im Arm trug, bis es sich beruhigte. Als sie ihm dann das Fläschchen nochmal anbot, trank die Kleine die ganze Flasche aus – oh Wunder! und schlief dann auf Omas Arm ein (die leere Flasche wurde dann von Oma triumphierend herumgezeigt, aber das ist eine andere Geschichte). „Also hatte sie doch Hunger“ staunten alle.

An dieser Stelle dachte ich: Ok, DARUM gibt es diese ganzen Diskussionen. Es gibt immer noch Mütter, die nicht wissen, auf ihr Baby einzugehen. Die es vielleicht nicht anders kennen. Die sich von den Kommentaren älterer Damen verunsichern lassen: „Wenn du sie jedes Mal hochnimmst, weil sie schreit, gewöhnt sie sich noch daran!“ „Oh, pass auf, nachher schläft sie nie alleine ein!“ „Was, die schlafen nicht in ihrem eigenen Bett?“ „Ts, ts, immer auf Mamis Arm…“. To be continued.

Es gibt immer noch Menschen, die ein schreiendes Kind wie eine Puppe hin- und herreichen, anstatt es der Mutter zurückzugeben. Ab und zu finde ich selber eines meiner Babies in den Armen einer wildfremden Person wieder und frage mich, wie es dahin gekommen ist. Es gibt Situationen, in denen eine Mutter (inkusive mir) sich vielleicht nicht traut, zu sagen: „Gib mir mein Kind bitte wieder“. Da wird man ja auch gleich schief angesehen und als Glucke abgestempelt.

In Spanien werden Babies und Kinder viel mehr hochgenommen und angefasst als in Deutschland, daran habe ich mich schon gewöhnt. Die Spanier sind ein soziales und kinderliebes Völkchen und meistens finde ich es auch schön, dass Kindern hier so viel Interesse entgegengebracht wird. Der Tenor lautet: daran müssen sich die Kleinen eben gewöhnen, hier ist das eben so! Aber wenn ich sehe, dass eines meiner Babies sich unwohl fühlt oder weint, dann bin ich in Nullkommanix da und schaue, was los ist. Vielleicht hat das auch garnix mit Spanien zu tun und man kann solche Szenen in Deutschland genau so beobachten?

Plötzlich Ruhe! Wenn die Zwillingsbabies schlafen.

Ab und zu gibt es diese Momente (plural, jawohl!), in denen ich dasitze und denke: Huch, beide Babies schlafen! Was mache ich nun? Auf einmal gibt es da ein Zeitfenster in unbekannter Größe, dass ich vollkommen frei füllen kann. Aber, womit?

Ein Ratschlag den ich eine Trillion Mal gehört habe ist: Schlaf, wenn die Babies schlafen. Das geht ja nun mal gar nicht. Nachts, ja, gerne! Aber tagsüber? Da schlafe ich nur mit, wenn ein bis zwei Babies auf oder an mir dran liegen und ich mich nicht bewegen kann, ohne sie zu wecken. Denn nach dem Schlafen kommt immer ein großes ODER: Ich könnte jetzt schlafen, oder ich mache xyz.

„Na, dann tu doch mal was für Dich!“

Würde ich ja gerne, aber ich kann ja jetzt schlecht zum nächsten Spa abhauen. Ach, was sag ich da, zum Friseur wäre auch schick. Für solche Abenteuer brauche ich einen Babysitter oder eine nette Begleitung, die mir die kleinen Racker in den entscheidenden Momenten abnimmt. Oder anreicht, je nachdem.

Es gibt außerdem eine Fantastillion mehr Sachen, die endlich mal wieder tun könnte. Realistisch betrachtet reduzieren sich meine Möglichkeiten aufgrund meiner unbedingt erforderlichen Anwesenheit und der unbekannten Babyschlaf-Zeit X jedoch auf eine übersichtliche kleine Auswahl.

Liegen die Babies sicher? Na, los geht´s: An aller-aller-erster Stelle steht duschen. Laaaaaaange duschen. Bis der Spiegel beschlägt und ich mich fühle wie im Dampfbad. Raus aus der Dusche und zack, sind die Babies wieder wach. Aber ich fühle mich wie ein normaler Mensch, das ist einiges wert. Auch wenn ich es nicht mehr schaffe, mir die Haare zu kämmen.

Was, ich habe schon geduscht? Na gut, dann mach ich eben was anderes. Zur Auswahl stehen:

In Ruhe essen. Erfolgsquote: niedrig. Wenn das Essen fertig ist, quakt oft schon wieder jemand kleines. Klappt es aber und der Mann ist anwesend, können wir uns eines gemeinsamen Essens erfreuen. Um die Ruhe zu genießen, findet dieses meistens schweigend statt. Oder wir überlegen lange, was wir diesmal richtig gemacht haben und ob wir das wiederholen könnten. Wahrscheinlich ist es aber einfach nur Glück.

Mal schnell ein bissen aufräumen. Erfolgsquote: mittel. Halb aufgeräumt ist auch schön.

Das Internet durchlesen: Erfolgsquote: hoch. Geht auch mit schlafendem Baby auf dem Bauch oder in diesen grausamen Mama-Momenten nachts, wo Du aufwachst, nach den Babies schaust und beide selig schlafen.

Telefonieren. Erfolgsquote: Entweder sehr hoch oder sehr niedrig, je nach Gegebenheit:

a) Juhu! Beide lassen sich vom Klang meiner Stimme einlullen und schlafen selig weiter.
b) Oh, no! Während Baby eins in die Windel macht, wacht Baby zwei schreiend auf.
c) Hallo? Nein, nein, Du störst nicht. Jaaaa, dutzi dutzi, weiter schlaaaaafen! Wie geht es Dir? Moment! Ach, spannend! Was hast Du gesagt? Ach, weißt Du was, ich rufe Dich später nochmal an, wenn beide wieder eingeschlafen sind (letzteres klappt natürlich nicht).

 

Blogbeiträge schreiben. Erfolgsquote: niedrig. Kaum fange ich an zu schreiben

 

 

 

 

[Mehrere Tage dauernde Pause. Wir schweigen in Gedenken an die ungeschriebenen Blogbeiträge, die ich in meinem Kopf entworfen, ausformuliert und wieder vergessen habe.]

 

 

 

 

Ach, wisst ihr was, ich mach mir einfach einen Kaffee.

Die Geburt (Teil 2): Eine dramatische Wendung

Achtung! Wenn Du noch schwanger bist, und/oder keine Lust auf schlimme Geburtsgeschichten hast (und das hier ist wirklich schlimm und schrecklich und gar nicht schön) lies das hier einfach nicht. Ich habe lange gehadert, ob ich überhaupt hier im Blog darüber berichten soll und habe mich letztendlich dafür entschieden. Warum? Weil solche Dinge passieren. Weil es sicher noch mehr Frauen gibt da draußen, denen so etwas passiert. Weil ich hoffe, es hilft euch. Weil es hier in meinem frischen, neuen Blog an dieser sonst nicht weitergeht.

Aber, was ist denn eigentlich passiert?

Nach der Geburt hat sich meine Gebärmutter nicht wieder zusammengezogen und ich wäre beinahe verblutet. Die Ärzte haben alles versucht, um die Blutung zu stoppen. Nichts hat geholfen. Um mich zu retten, mussten sie meine Gebärmutter entfernen. Das ist verdammt beschissen und doof und ungerecht und wieso ich!?! Ein wichtiger, wunderschöner Teil von mir fehlt jetzt. Der mich jahrelang genervt hat mit seinen Krämpfen. Der aber immer für mich da war und diese zwei wunderschönen kleinen Babies so tapfer beherbergt hat. Danke, meine liebe Gebärmutter, mach´s gut. Ich werde dich vermissen, du Gute!

Jetzt bin ich aber gerade so sehr glücklich (und beschäftigt!) mit meinen beiden, dass ich gar keine Lust (und noch weniger Zeit) habe, Trübsal zu blasen. Es gibt natürlich Momente in denen ich traurig bin. Es gibt Momente, in denen ich mir wünsche, ich dürfte nochmal eine Schwangerschaft erleben. Es gibt Momente, in denen ich mich ertappe bei dem Gedanken: „Beim nächsten Mal mache ich das anders!“ und mich dann daran erinnere, dass es kein nächstes Mal geben wird. Es gibt Momente, in denen ich bereue, nicht gleich in dieser ersten und einzigen Schwangerschaft alles genauso gemacht zu haben, wie ich es eigentlich wollte.

Vielleicht ist das die wichtigste Lektion, die ich hieraus gelernt habe: Mach alles gleich so, dass es für dich gut und richtig ist. Das Leben gibt einem oft genug nur diese eine Chance.

Wo waren wir stehengeblieben?

Es ist geschafft, meine Mädchen sind da! Erleichtert und glücklich warte ich darauf, dass ich aus dem OP-Saal komme. Irgendetwas stimmt allerdings nicht. Besorgte Gesichter, jemand drückt auf meinem Bauch herum. Ist das alles Blut, was da so schwellartig aus mir herausfliesst? „Das hört nicht auf“, sage ich. Die Ärztin an meiner Seite nickt stumm.

Es wird zunehmend hektischer, alle reden durcheinander und rennen aufgeregt hin und her. Die Blutung muss gestoppt werden! Eine Bluttransfusion wird bestellt. „Du musst jetzt schlafen“ sagt jemand und ich bekomme eine Atemmaske aufgesetzt. Die nette junge Frau von vorhin sagt mir, ich soll an meine Babies denken – und dann bin ich erstmal weg.

Als ich aufwache, liege ich in einem grau-piepsenden Zimmer und schaue auf eine Wanduhr. Es ist halb sechs Uhr morgens, da habe ich ja doch eine Weile geschlafen. Ich bin voll verkabelt und mein Hals kratzt. Mein Freund steht am Bettende. Es ist nicht halb sechs Uhr morgens, sondern abends. Irgendetwas ist passiert. Ich liege auf der Intensivstation.

Die nächsten Stunden verbringe ich im Dämmerzustand. Ab und zu kommt ein Pfleger herein, schaut auf die Geräte, dreht an dem Rädchen vom Tropf und geht wieder heraus. Durch die offene Tür höre ich die Belegschaft über eine abewesende Kollegin lästern und ich fühle mich ein bißchen wie in einer Arztserie. Zwischen Schlafen und Wachen kommt mein Freund alle paar Stunden zu mir und zeigt mir Fotos von den Babies, die mich jedesmal zum Weinen bringen. Ich will hier raus und zu ihnen, sofort! Was ist passiert?

Wann kam die Ärztin, um mir alles zu erklären? Noch in der gleichen Nacht? Jedenfalls sitzt sie irgendwann mit meinem Freund an meinem Bett und spricht, aber das Gesagte kommt kaum bei mir an. Hat er mir vorher schon gesagt, dass ich viel Blut verloren habe? Tatsache ist, dass ich nach der Geburt fast die Hälfte meines Blutes verloren und mindestens sechs Bluttransfusionen bekommen habe. Während mein Freund mit den Babies auf mich wartete, wurde im OP um mein Leben gekämpft.

Die erste Nacht ihres Lebens verbrachten unsere Mädchen mit ihren Großeltern. Mein Freund hat in dieser Nacht auf einen Schlag unheimlich viel Verantwortung übernehmen müssen. Für unsere Babies, für mich und für uns. Er verbrachte die ersten Stunden nach der Geburt in großer Unsicherheit, ob ich überleben würde. Er musste meine Eltern in Deutschland anrufen und ihnen erklären, dass es mir nicht gut ginge, in einer Sprache, die nicht die seine ist. Er rief seine Eltern zu Hilfe, damit er bei mir sein konnte, so oft er zu mir durfte.

Fast einen Tag lang gab es keine Entwarnung, niemand, der ihm sagen konnte: Sie schafft das.

Und dann, endlich, bin ich aufgewacht.

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