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Mein Katalonien: Zwillinge, Mittelmeer und andere Abenteuer

Month: Juli 2017

Die Qual der Wahl: Krankenhaus oder private Klinik?

Das spanische Gesundheitssystem ist etwas anders als in Deutschland. Sobald du hier gemeldet bist, bist du automatisch über die Seguridad Social versichert. Zusätzliche kann eine private Krankenversicherung abgeschlossen werden. Das habe ich direkt am Anfang gemacht, weil ich nicht wusste, wie das alles hier läuft und die Beiträge nicht besonders hoch sind.

Ist die Arztwahl in Deutschland immer ein Thema, wenn man in eine neue Stadt kommt, geht man hier einfach in das dem Wohnort zugewiesene Ärztezentrum. Dort wählst du einen festen Hausarzt und es gibt tagsüber Sprechstunden für aktuelle Wehwehchen. Es fehlt also an nichts, nur hat mich anfangs verunsichert, dass ich nicht wie in Deutschland einfach in die nächste Arztpraxis spazieren kann. Anfangs bin ich daher viel mehr zu den Vertragsärzten der privaten Versicherung gegangen.

Das Problem bei den Privaten ist für mich, dass ich immer das Gefühl habe, sie müssen an dir verdienen. Da fragt man sich bei manchen Maßnahmen, ob die wirklich so notwendig sind…ich wurde schon bei Kopfschmerzen als erste Maßnahme zum MRT und Röntgen geschickt. Es waren dann doch einfach Spannungskopfschmerzen, die mit ein paar Übungen wieder weg gingen. Aber noch halte ich mir das Hintertürchen Privatversicherung offen.

Ein großer Vorteil: Dank der privaten Versicherung war die Kinderwunsch-Behandlung günstiger, das war eine große Hilfe für uns.

Krankenhaus oder private Klinik?

Während der Schwangerschaft habe ich das staatliche Angebot genutzt. Man bekommt in Spanien eine Hebamme zugewiesen, welche einen durch die Schwangerschaft begleitet. Bei einer Zwillingsschwangerschaft gibt es etwa alle ein bis zwei Monate einen Termin mit der Ärztin zum Ultraschall (Einlingsmamis haben etwa drei planmäßige Ultraschalltermine, so wie in Deutschland). Dazu gibt es mehrere Kurse und Info-Abende: Am Anfang der Schwangerschaft gab es eine Art Einführungskurs, jetzt bin ich beim Schwangerenyoga und Geburtsvorbereitung. Leider habe ich es nicht zum Schwimmkurs geschafft, man kann nicht alles haben… Nach der Geburt gibt es Babymassage und einen offenen Stilltreff. Also, mir reicht das!

Allerdings wurden im Zuge der Krise in Spanien viele Leistungen gekürzt. Die Ärztezentren und staatlichen Krankenhäuser müssen aufs Geld achten. Während private Kliniken den Ruf haben, zu schnell zum Kaiserschnitt zu greifen, weil sie daran am meisten verdienen, wird in den öffentlichen Krankenhäusern möglichst eine natürliche Geburt angestrebt. Ob das so stimmt oder es einfach ein Vorurteil ist, kann ich leider nicht sagen.

Wir haben uns auch für die Geburt in einem staatlichen Krankenhaus entschieden. Warum? Erstens hat es einen guten Ruf, zweitens sind wir in zehn Minuten mit dem Auto dort. Letzteres beruhigt mich ungemein, habe ich doch eine irrationale Angst davor, auf dem Weg ins Krankenhaus im Stau zu stehen. Auf den guten Ruf baue ich natürlich auch, nur ob es diesem gerecht wird, weiß ich natürlich noch nicht. Das werden wir ja bald erfahren!

Übungen in Geduld: Schwangerschaftswoche 39

Die beiden Señoritas sind immer noch nicht da und ich muss gestehen, ab und an schleicht sich eine gehörige Portion schlechte Laune an. Wann kommen die beiden denn endlich?

Zwillinge kommen sowieso immer früher!

So hieß es anfangs von allen Seiten. Jetzt scheinen wir es mit zwei ausgesprochen kräftigen kleinen Mädchen zu tun zu haben, die so lange wie möglich in meinem Bauch verharren möchten. Selbiger wird jeden Tag unförmiger und ist nicht mehr schön rund, sondern wird durch die kleinen Babyhintern auf beiden Seiten ausgebeult.

Die Kliniktasche steht seit einem Monat fertig gepackt im Weg herum, der Kinderwagen wartet auf seinen ersten Einsatz und alle Babysachen sind gewaschen und nach Größe sortiert. „Wir sind bereit, ihr dürft jetzt kommen!“ sage ich den beiden jeden Morgen, aber sie hören schon jetzt nicht auf mich.

Dabei ist „bereit“ bestimmt nicht das richtige Wort, wenn man nicht weiß, was auf einen zukommt. Ich rechne mit einem mittleren Chaos.

Zeit vertreiben

Was also tun in der Ruhe vor dem Sturm? Alles läuft unter dem Motto: Wer weiß, wann ich wieder Zeit dafür habe! Also war ich beim Friseur, habe mir eine Pediküre gegönnt und war beim waxing. Wundersamerweise wächst da kaum was an den Beinen während der Schwangerschaft, endlich mal eine schöne Nebenwirkung.

Wirklich nervig ist, dass weder Sitzen noch Liegen gemütlich ist. Ob ich stehe oder laufe, der Bauch zieht nach unten: der Gymnastikball ist mein neuer bester Freund. Dort sinke ich schön tief ein, so daß der Bauch auf der Oberfläche liegt und gestützt wird. Also hocke ich die meiste Zeit wippend und hüftkreisend auf dem Ball und schaue mir langweilige Dokus an.

Einschlafprobleme

Schlafen zu gehen ist eine weitere Herausforderung. Jedes Mal stehe ich seufzend vor dem Bett und fange an, die Kissen in Position zu bringen. Dann wälze ich mich seitwärts auf die Matratze. Liege ich zu tief, bekomme ich Sodbrennen, aber halb-sitzend kann ich auch nicht einschlafen. Morgens wache ich auf der linken Seite liegend auf, Kissen um mich herum gestopft und irgendwo dahinter, auf einem kleinen Restchen Matratze, befindet sich mein Freund. Er kann übrigens auch nicht mehr gut schlafen, weil jede meiner Bewegungen das Bett in ein schlingerndes Bötchen auf hoher See verwandelt. Und nein, wir haben kein Wasserbett.

Trotz allem: ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich die ganze Schwangerschaft hindurch so fit geblieben bin, ohne Kotzerei, ohne schlimmere Vorkommnisse und mit zwei brav vor sich hinwachsenden Babys im Bauch. Die dicken Füße und der schwere Bauch kann ich im Gegenzug ein paar Wochen aushalten.

Tja, und nun? Nun spaziere ich im Schneckentempo um den Block, wasche Wäsche, räume die Küche auf und habe Zeit, Blogbeiträge zu schreiben. So gesehen hat die Wartezeit doch auch etwas gutes!

Der Geburtsvorbereitungskurs

Hatten wir einfach Glück mit der Hebamme? Man hört ja hier und da einiges an „Schauergeschichten“: Geburtsvideos, schreiende Hebammen („so laut kann das werden!“) und statt Ruhe zu vermitteln, werden die Frauen eher abgeschreckt und verunsichert. Ich will nichts romantisieren, aber: wie es wirklich wird, weiß ich ja sowieso nicht, bis es so weit ist.

Unser Kurs war wirklich schön: Wir hatten eine kleine Gruppe und eine sehr nette junge Hebamme, die mit den Beinen baumelnd auf dem Tisch saß und mit uns in den letzten Wochen die wichtigsten Themen durchgegangen ist. Zunächst gab es immer eine Stunde Schwangerschaftsgymnastik (ohne die Männer) in der wir Zeit hatten Fragen zu stellen und erzählt haben wie es uns so geht. Das Vorurteil vom „Hechelkurs“ hat sich von Anfang an nicht bestätigt.

Die Männer kamen dann später zur Theoriestunde dazu. Das war super, weil neben der Geburt auch die Themen Stillen, Kinderpflege, Wochenbett und natürlich die große Frage „Wann sollten wir ins Krankenhaus fahren“ behandelt wurden. Sicher sind wir trotzdem aufgeregt, wenn es dann losgeht. Die Fragen und Sorgen der anderen Paare im Kurs zu hören, selber Fragen zu stellen und ein Gefühl dafür zu bekommen, was alles normal ist (und was nicht), hat mich die letzten Wochen der Schwangerschaft beruhigt.

Und gerade bei so Themen wie Stillen und Wochenbett fand ich es wichtig, dass mein Freund eine Idee davon bekommt, was alles auf einen zukommen kann. Es ist fast ein wenig schade, als der Kurs vorbei ist, weil wir seitdem nur noch die Kontrolltermine im Krankenhaus haben.

Jetzt beginnt also das große Warten.

Von Tiefkühlpizza träumen: Schwangerschaftsdiabetes sei dank!

Ja, meine Schwangerschaft verlief an sich nahezu beschwerdefrei. Aaaaaber: Die Schwangerschaftsdiabetes hat mich Nerven gekostet. Erstens weil ich mir einbilden darf, mich durchaus ausgewogen zu ernähren. Zweitens, weil sie trotz Essensplan einfach nicht in den Griff zu kriegen war. An dieser Stelle hat mein Körper nicht mitgespielt.

In den letzten drei Monaten habe ich also strikt nach Plan gegessen, der in meinem Fall so aussah: Joghurt zum Frühstück, Joghurt zwischendurch und Joghurt als Betthupferl. Joghurt ging bei uns in den letzten Monaten literweise weg. Zum Mittag und zu Abend haben wir natürlich ordentlich gekocht und ausprobiert was geht. Mit der Zeit haben wir ein paar Standard-Rezepte entwickelt, mit denen ich gut leben konnte.

Aber wie das so ist, wenn man nicht darf, findet man alles andere viel interessanter. Der Gedanke, sich abends müde und platt vom schwanger sein eine Pizza in den Ofen zu schieben, war noch nie so verlockend wie jetzt. Öffnet jemand eine Tüte Süßigkeiten, läuft mir das Wasser im Mund zusammen, dabei bin ich im „normalen“ Leben gar nicht so versessen darauf. Der trockene Keks, den ich abends zu meinem Joghurt esse, wird zum Highlight des Tages. In meinem Kopf entsteht eine stetig wachsende Liste an Lebensmitteln, die ich nach der Schwangerschaft unbedingt essen will. Das essen zu können, worauf ich gerade Lust habe, ohne an Kohlenhydrate und Blutzucker zu denken, lässt mich voller Vorfreude auf die Zeit nach der Geburt blicken.

Im Moment stehen auf der Liste:

Alle möglichen Sorten von Lakritze und Haribo
Die leckere Pizza vom Italiener
Die Tiefkühlpizza für auf die Schnelle
Sushi
Eis
Croissants
Weißbrot
Hamburger (ohne darüber nachdenken zu müssen ob das Fleisch wirklich gut durch ist und mit leckerem Bäcker-Burger-Brot)
Limonade
Cola
alkoholfreies Bier (ich möchte ja gerne Stillen)
Kuchen, Teilchen und sonstige Spezereien vom Bäcker
Bocadillo con Jamón
Obst so viel ich mag

Ob ich nach der Schwangerschaft wirklich so viel Lust darauf habe? Ich bin gespannt!

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